https://www.faz.net/-gyl-9920j

Antisemitismus an Schulen : Mit Geduld gegen den Hass

Geschützter Raum: Jüdische Schüler, hier in Frankfurt, feiern gemeinsam das Schawuot-Fest. Bild: Helmut Fricke

Antisemitische Vorfälle an Berliner Schulen haben viele empört. Saraya Gomis kennt die Fälle. Die Beauftragte für Antidiskriminierung warnt aber auch vor Schuldzuweisungen.

          4 Min.

          Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass eine Zweitklässlerin an einer Berliner Schule erst von arabischen Schülern gehänselt wurde, weil sie nicht an Allah glaube, später sagte man ihr, dass sie für ihren angeblich falschen Glauben in der Hölle schmoren werde. Ein Fünftklässler arabischer Herkunft rief später, nachdem er erfahren hatte, dass die Mutter des Mädchens jüdisch ist, in drohendem Ton „Jude! Jude!“. Der Fall hat bundesweit Aufregung ausgelöst, ein bedauerlicher Einzelfall ist er nicht.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Saraya Gomis wird oft zu Rate gezogen, wenn so etwas passiert. Die Gymnasiallehrerin mit den Fächern Geschichte, Französisch und Darstellendes Spiel ist seit anderthalb Jahren Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen. Im ersten Jahr war es ein Pilotprojekt mit einer halben Stelle, seit einem Jahr ist sie, weil es so viel zu tun gab, Vollzeit in dem Amt tätig. Neunzehn antisemitische Vorfälle hat die Senatsverwaltung für Bildung im vergangenen Jahr registriert, 200 gemeldete Fälle gab es im Bereich Rassismus insgesamt. Ist das nicht wenig bei 300.000 Schülern in Berlin? Oder doch viel – angesichts einer zahlenmäßig kleinen jüdischen Gemeinschaft in der Stadt?

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Im Fokus: Thomas Bach, hier 2020

          IOC-Präsident Thomas Bach : Direktor ohne olympischen Geist

          „Wir fühlen uns betrogen“: Der Umgang mit Hiroshima lässt Japans Ärger über Thomas Bach, den deutschen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, weiter wachsen.