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Forderungen mehren sich : Öffnet schnell die Schulen!

  • Aktualisiert am

Die Stimmen, die Schul-Öffnungen fordern werden mehr. Bild: AFP

Erst zeigten Studien-Zwischenergebnisse: Kinder infizieren sich anscheinend seltener mit Corona. Jetzt will Baden-Württemberg ein Konzept für vollständige Schulöffnungen machen. Und die FDP fordert das für ganz Deutschland.

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          Die Debatte über schnellere Öffnungen von Schulen und Kitas nimmt immer mehr Fahrt auf. Nachdem am Dienstag Zwischenergebnisse einer Studie der baden-württembergischen Universitätskliniken Hinweise darauf brachten, dass Kinder anscheinend nur eine untergeordnete Rolle bei der Übertragung des Coronavirus spielen, hat die baden-württembergische Landesregierung beschlossen, ein Konzept zur vollständigen Schul- und Kitaöffnung zu erstellen. Jetzt fordert auch die Bundes-FDP eine schnelle Öffnung von Schulen und Kitas.

          „Die Lebenschancen mehrerer Generationen stehen auf dem Spiel. Deshalb müssen Kitas und Schulen schnellstmöglich wieder öffnen“, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Katja Suding, der „Passauer Neuen Presse“ (Mittwoch). Die Bundesregierung und die Länder dürften sich nicht auf vereinzelten und stark eingeschränkten Öffnungen ausruhen, sagte sie. Die Fahrpläne zur Öffnung von Kitas und Schulen, über die seit Wochen diskutiert werde, müssten jetzt ganz schnell umgesetzt werden. Dabei gebe es eine falsche Zurückhaltung.

          Suding sagte, die Chancengleichheit leide massiv. „Desaströs ist die Situation für von Gewalt und Missbrauch bedrohte und betroffene Kinder.“ Sie seien einem krisenbedingt hohen Konfliktpotenzial ausgeliefert. „Geschlossene Kitas sind für sie hochgefährlich“, warnte sie. Je länger den Kindern ihr Recht auf Bildung und Teilhabe vorenthalten werde, desto mehr würden ihre Lebenschancen zerstört.

          Kinder seltener infiziert als Erwachsene

          Studien-Zwischenergebnisse aus Baden-Württemberg, die seit Dienstag bekannt sind, besagen nach Darstellung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dass Kinder anscheinend nicht nur seltener durch das Coronavirus krank würden, sondern sie seien wohl auch seltener infiziert als Erwachsene. Es könne ausgeschlossen werden, dass Kinder besondere Treiber des aktuellen Infektionsgeschehens seien.

          Die Studie werde zwar noch ausgewertet. Auf ihrer Grundlage habe die Landesregierung aber beschlossen, ein Konzept für die weitere Öffnung der Grundschulen zu entwickeln und Kitas bis Ende Juni vollständig zu öffnen, so Kretschmann. Die bisherigen Ergebnisse der Studie ständen einer weiteren Öffnung nicht entgegen. „Sondern wenn wir eine weitere Öffnung machen, liegt das im Trend.“

          Laut Landesregierung wurden etwa 5000 Menschen, die keine Symptome hatten, auf das Virus und auf Antikörper getestet, darunter 2500 Kinder unter zehn Jahren und jeweils ein Elternteil. Unter anderem fiel auf, dass das Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht erhöht zu sein schien im Vergleich zu den Jungen und Mädchen, die zu Hause betreut wurden. Außerdem hätten nur bis zu zwei Prozent der einst Erkrankten Antikörper gebildet. „Das sind viel geringere Zahlen als beispielsweise in der Heinsberg-Studie“, sagte Kretschmann.

          Die Federführung für die Kinderstudie in Baden-Württemberg lag beim Zentrum für Infektionskrankheiten und beim Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Beteiligt waren außerdem die Unikliniken in Freiburg, Tübingen und Ulm. Erste Analysen hatten vor Beginn der Studie schon auf eine vergleichsweise geringe Beteiligung von Kindern am Infektionsgeschehen hingewiesen. Unter den erfassten Covid-19-Fällen hätten Kinder nur einen sehr kleinen Anteil, heißt es unter anderem von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC.

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