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Hanks Welt : Homeschooling als Zukunftsmodell?

Interessant ist, dass die Qualität schulischer Bildung nicht als Argument für das staatliche Monopol benutzt wird. Das immerhin ist konsequent. Hätte die rigorose staatliche Schulpflicht Auswirkungen auf den Lernerfolg, müsste Deutschland in den Pisa-Tests ganz vorne mit dabei sein – was nicht der Fall ist. In Finnland, dem Pisa-Musterland, ist Homeschooling legal. Vorgeschrieben ist dort nur die Bildungspflicht, die durch staatliche Prüfungen, aber nicht durch staatlichen Unterricht nachgewiesen wird.

Vorbild Wilhelm von Humboldt

Nun muss man die Egalisierungs- und Sozialisierungsfunktion der Schule gar nicht bestreiten, um den hiesigen Bann familiärer Beschulung zu missbilligen. Ursprünglich sollte der Schulzwang lediglich verhindern, dass bildungsunwillige Eltern ihre Kinder zum Kartoffelausbuddeln und Getreideernten missbrauchen, anstatt sie in den Unterricht zu schicken. Doch warum wird es allen Eltern verboten? Das gerade hierzulande immer hochgehaltene Prinzip der Subsidiarität besagt: Der Staat muss erst dann einschreiten, wenn die Privaten versagen. Er muss Kinder nur dann vor ihren Eltern schützen, wenn er befürchtet, ihnen würde Bildung vorenthalten oder sie würden auf gefährliche Weise indoktriniert.

Warum halten wir uns nicht an Wilhelm von Humboldt, der hierzulande doch als eine Art Bildungspapst gilt? Humboldts nicht genug zu empfehlende Frühschrift von 1792 mit dem schönen Titel „Ideen zu einem Versuch, die Gränzen (sic!) der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“ billigt dem Staat zwar das Recht und die Pflicht zu, im Interesse der Freiheit der Bürger für äußere und innere Sicherheit zu sorgen. Aber von einer Pflicht öffentlicher Erziehung will der Bildungsreformer nichts wissen: „Soll die Erziehung nur Menschen bilden, so bedarf es des Staates nicht“, schreibt Humboldt. Im Gegenteil: Staatliche Beschulung führe dazu, dass die Eltern die Verantwortung für die Aufzucht der Kinder an den Staat delegieren, wofür sie einen hohen Preis zahlen: Statt zu freien und gebildeten Menschen wird die Jugend zu Staatsbürgern, mithin zu Untertanen gemacht. Staatlich bestallte Lehrer, behauptet Humboldt frech, seien vor allem auf die nächste Beförderung fixiert, während das Wohl privater Erzieher vom Erfolg ihrer Arbeit abhänge.

Rebellion und Strafe

Während ich mich also derart in das furiose Plädoyer fürs Homeschooling hineinschreibe, geht ein Erfahrungsbericht eines engagierten Vaters per E-Mail in meinem Homeoffice ein: „Es war furchtbar heute, ich musste gegen die rebellische Stimmung beim Addieren und Subtrahieren drakonische Strafen androhen (doch keine Schnitzel Wiener Art zum Mittagessen und natürlich auch kein Fernsehen heute), was wiederum zu Tränenausbrüchen bei den Kindern und schlechtem Gewissen bei mir führte. Lesen ging dann nach dieser Krise viel besser. Weshalb ich jetzt doch zum Schnitzelklopfen schreite: Versöhnung. Aber die Fernsehserie bleibt gestrichen!“

Was will man entgegnen? Homeschooling bedeutet ja nicht, dass die Eltern selbst zu nervenkranken Paukern werden müssen. Sie könnten Fachkräfte beschäftigen wie damals die Gontards in Frankfurt, die den Tübinger Dichter und Denker Friedrich Hölderlin angestellt haben (was bekanntlich ein Liebesdrama nach sich zog). Aber an all das ist in Corona-Zeiten natürlich nicht zu denken. Und selbst später dürfte es am Geld – und an der Knappheit von Hauslehrern und Hofmeistern scheitern.

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