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Schulöffnungen : Wie belastbar ist der Hygieneplan?

Lehrern kommt in den nächsten Woche bei der Schulhygiene eine große Verantwortung zu. Bild: dpa

Von Montag an gilt an vielen deutschen Schulen ein Hygieneplan, der am rheinland-pfälzischen orientiert ist. Ute Schmazinski hat ihn mitverfasst. Ein Gespräch über hustende Schüler und drohende Schulschließungen.

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          Frau Schmazinski, der Hygieneplan für Schulen des Landes Rheinland-Pfalz gilt als Vorbild für andere Bundesländer. Wer hat ihn erstellt?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Wir haben ihn in einem Team, bestehend aus Expertinnen und Experten des Bildungsministeriums, des Gesundheitsministeriums sowie der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention der Universitätsmedizin Mainz, erstellt.

          Was war die Grundlage für den Hygieneplan?

          Die Grundlage war das Infektionsschutzgesetz. Es schreibt ohnehin vor, dass alle Gemeinschaftseinrichtungen nach Paragraph 33 einen Hygieneplan erstellen müssen, dazu gehören auch Schulen. Wir haben nun überlegt, an welchen Stellen es Konkretisierungsbedarf gibt im Hinblick auf Corona.

          Hatten Sie einen Pandemiehygieneplan für Schulen in petto?

          Nein, speziell für Schulen nicht. Aber wir haben uns natürlich zurückerinnert an die Zeiten von SARS und Schweinegrippe. Da gab es aber bei weitem nicht die Ausmaße von Covid-19.

          Wer überwacht formal die Einhaltung des Hygieneplans in den Schulen?

          Zuständig ist die Schulleitung. Sie ist dafür verantwortlich, dass das, was im Plan beschrieben ist, umgesetzt und eingehalten wird. Zuständig ist auch das Gesundheitsamt. Ich weiß von Fällen, in denen die Gesundheitsämter gemeinsam mit den Schulträgern vor den Öffnungen Begehungen an den Schulen durchgeführt haben.

          Wird es in der kommenden Woche auch Stichproben durch die Gesundheitsämter geben?

          Das liegt im Ermessen der Gesundheitsämter.

          Wer ist für die Einhaltung von Hygienestandards auf dem Schulweg zuständig? Wie verhält es sich in Schulbussen?

          Für die Schülerbeförderung ist der Schulträger verantwortlich. Schülerinnen und Schüler benutzen ja ganz unterschiedliche Verkehrsmittel. Hier gelten dieselben Regeln, die für den Öffentlichen Personennahverkehr insgesamt gelten, zum Beispiel die Maskenpflicht. Das ist auch den Schulen und den Eltern gegenüber so kommuniziert worden. Nach dem, was ich in der ersten Woche mit den Prüfungs- und Abschlussklassen gehört habe, läuft das gut.

          Was passiert, wenn ein Coronafall an einer Schule auftritt – bei Schülern oder Lehrern?

          Da gibt es keinen Unterschied. Wenn solch ein Fall auftritt, wird die dafür vorgesehene Meldekette angestoßen. In der Regel ist es so, dass sich der Betroffene über die vorgegebenen Wege zu einer Testung meldet. Die Schule ist über das Infektionsschutzgesetz verpflichtet, das Gesundheitsamt zu informieren. In der Regel findet diese Mitteilung aber durch den Arzt statt. Das Gesundheitsamt prüft dann, welche weiteren Maßnahmen veranlasst werden müssen: Muss eine komplette Schule geschlossen werden oder genügt es, Teilbereiche zu schließen oder gewisse Klassen für 14 Tage zu isolieren?

          Gibt es genaue Kriterien für eine Schulschließung?

          Das entscheiden die Gesundheitsämter. Hierbei kommt zum Beispiel die Kontaktnachverfolgung ins Spiel: In welchem Umfang hatte der oder die Betroffene Kontakt zu anderen Personen? Ein Beispiel: In Rheinland-Pfalz sind gerade die Fachoberschulen gestartet, das sind relativ kleine Systeme, die zum Teil in einem separaten Trakt unterrichtet werden. Die Schüler haben eigene sanitäre Anlagen und kommen mit niemandem sonst in Verbindung. In solch einem Fall wäre es nicht unbedingt erforderlich, das komplette Schulzentrum zu schließen. Anders liegt der Fall, wenn es sich um Personen handelt, die Kontakt in viele unterschiedliche Klassen hatten. Daher haben wir versucht, ein System aufzubauen, in dem solche Querverbindungen immer nachvollziehbar bleiben.

          Geht Ihr Hygieneplan von einer normalen oder einer geringeren Ansteckungsrate bei Kindern und Jugendlichen aus?

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