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Schüler-Experiment : 36.000 Meter über Nieder-Erlenbach

  • -Aktualisiert am

Die Spannung steigt: Hannah (links) und Lillan sichern den Ballon, bis alle Vorbereitungen abgeschlossen sind. Bild: Lakuntza, Nerea

Die Schüler der Anna-Schmidt-Schule in Nieder-Erlenbach lassen einen Stratosphärenballon steigen. An Bord sind eine Kamera, zwei GPS-Sender und zwei selbstgebaute Experimente.

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          Das Absperrband markiert die Startzone, mitten auf dem Schulhof der Anna-Schmidt-Schule in Nieder-Erlenbach. Dort halten Lillan und Hannah aus der neunten Klasse den Ballon fest. Andere Schüler wuseln um sie herum, kontrollieren ein letztes Mal die Sonde. Sitzt die Kamera richtig? Ist die Speicherkarte wirklich eingelegt? Hält alles so fest, dass die Sonde am Ballon 36 000 Meter hoch fliegt, ohne sich in ihre Einzelteile aufzulösen? Die weiße Ballonhaut, gefüllt mit 3800 Litern Helium, plustert sich auf, strebt nach oben. Doch Lillan und Hannah halten mit Muskelkraft dagegen. Sie dürfen nicht loslassen. Noch nicht.

          Der Ballon ist ein sogenannter Stratosphärenballon. Er soll fast 40 Kilometer hoch steigen, bis in die, von der Erde aus gesehen, zweite Luftschicht: die Stratosphäre. Auf dem Weg dorthin dehnt sich das Helium wegen des geringer werdenden Luftdrucks aus, bis der Ballon schließlich nach zweistündiger Flugzeit platzt. Dann soll die Sonde an einem Fallschirm zu Boden sinken. Etwa 80 Schüler aus vier Kursen der Jahrgänge acht bis zehn der Anna-Schmidt-Schule aus diesem nördlichen Frankfurter Stadtteil waren an dem Projekt beteiligt. Über acht Wochen haben sie zusammen daran gearbeitet. „Wir haben gelernt, wie umfangreich so ein Projekt ist“, erklärt Philipp aus dem Kurs Naturwissenschaften. Vor allem die Koordination der verschiedenen Projektgruppen und ihrer Experimente sei aufwendig gewesen. Denn der Stratosphärenballon soll nicht einfach nur fliegen.

          Vor dem Start: Schüler bereiten den Wetterballon im Schulhof vor.
          Vor dem Start: Schüler bereiten den Wetterballon im Schulhof vor. : Bild: Lakuntza, Nerea

          Die Sonde enthält ein von den Schülern gebautes Barometer, das den Luftdruck misst. Und mit Solarzellen auf der Sonde wollen sie herausfinden, ob die Sonne in den höheren und damit dünneren Luftschichten stärker scheint und mehr Strom erzeugt als auf dem Boden. Die Geräte übermitteln ihre Daten an eine Speicherkarte in der Sonde. Doch um die Daten auswerten zu können, müssen die Schüler die Sonde wiederfinden. Deshalb enthält diese zwei GPS Sender, einen zur Sicherheit, falls der erste ausfällt. Nachdem der Ballon in der Stratosphäre geplatzt ist, soll die Sonde an einem roten Fallschirm etwa eine Stunde lang zu Boden schweben. „Nach unseren Berechnungen müsste sie in der Nähe von Kassel landen“, erklärt Philipp.

          Unterdessen halten Lillan und Hannah den Ballon weiter fest. Bevor er abhebt, müssen die anderen noch Fallschirm und Sonde mit einer Schnur an ihm befestigen. Dann zählt der ganze Schulhof den Countdown runter. Etwa 100 Kehlen rufen laut: „Drei, zwei, eins, null.“ Auf null lassen Lillan und Hannah den Ballon los. Dann der Schreck: Kurz nach dem Start verfängt sich die Sonde im einzigen Baum auf dem Schulhof. Doch der Ballon reißt sie wieder los und steigt immer höher - der Stratosphäre entgegen.

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