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Umschulungen nehmen zu : Renaissance der Förderschule?

Inklusion gelingt ganz unterschiedlich. Die Gründe für den Anstieg bei den Umschulungen müssen analysiert werden. Bild: dpa

Die Regelschulen verzeichnen starke Abwanderungen hin zu Fördereinrichtungen. Warum die Zahl der Umschulungen trotz Inklusion steigt.

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          Trotz einer im ganzen Land praktizierten Inklusion in Regelschulen hat sich die Anzahl der Umschulungen auf Förderschulen in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt. Waren es im Schuljahr 2015/16 noch 336 Schüler, die von einer Regelschule wieder an eine Förderschule wechseln wollten, sind es im Schuljahr 2017/18 schon 497 Schüler in Grundschulen und Gemeinschaftsschulen, wobei jeweils der Löwenanteil die Grundschüler betrifft.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Wie andere Länder (beispielsweise Hamburg) hat auch das Saarland die individuellen Gutachten für den jeweiligen Förderbedarf abzuschaffen. Nur wenn die Eltern einen Antrag auf AVVSU (anerkanntes Vorliegen der Voraussetzungen für eine sonderpädagogische Unterstützung) stellen, gibt es ein Gutachten. Ansonsten wird alles über die Förderplanung geregelt. Zwar kann die Schule eine Unterstützungsanfrage bei einem Förderzentrum stellen, doch dabei wird kein verbindliches Gutachten erstellt.

          Deshalb gibt es weder Zahlen, wie sich die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf insgesamt entwickelt, noch Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte Diagnosen wie sozial-emotionale Entwicklungsstörungen oder Lernstörungen zunehmen. Das Ministerium in Saarbrücken verweist auf die Eltern, die ihrem Erziehungsauftrag nicht ausreichend nachkommen, unterlässt es aber, den Kindern die beste Förderung zukommen zu lassen, indem es auf die Gutachten verzichtet. Die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV) Michaela Günther hat das Ministerium längst dazu aufgefordert, die genauen Gründe für den Anstieg der Umschulungen herauszufinden, um dann passgenau reagieren zu können. Eine individuelle Diagnostik empfindet der Lehrerverband nicht etwa als Stigmatisierung, sondern als notwendige Voraussetzung für eine gezielte Förderung und Hilfe bei konkretem Bedarf. Der SLLV macht für die hohe Anzahl der Umschulungen auch den Mangel an Sonderpädagogen an Regelschulen verantwortlich. In seinen Augen zeigen die konstanten Zahlen für die Förderschulen, dass der von den Inklusionsbefürwortern erwartete Rückgang von Förderschülern nicht eingetreten ist.

          Viele Umschulungen von einer Regel- an die Förderschule betreffen nach Angaben des Ministeriums verhaltensauffällige Schüler mit sozialem und emotionalem Förderbedarf. Es sind diese Schüler, die nach Erfahrungen der Lehrer während des Unterrichts ausrasten und gegenüber Mitschülern und auch gegenüber ihren Lehrern ausgesprochen aggressiv auftreten und sich kaum bändigen lassen. Die Entwicklungspsychologie weiß seit langem, dass sich solche verhaltensauffälligen Kinder und Kinder mit Lernschwierigkeiten am besten in Kleingruppen in geschützten Räumen beruhigen lassen. Häufig gelingt dann auch wieder der Wechsel an eine Regelschule. An Regelschulen indessen gibt es weder die spezialisierten Förderlehrer noch die geschützten Räume dafür.

          Im Saarland haben mit Schuljahrsbeginn deshalb zwei neue Förderschulen für soziale und emotionale Entwicklung ihre Arbeit aufgenommen, eine davon in privater Trägerschaft. Zahlreiche Grundschulen und Gemeinschaftsschulen hatten Brandbriefe geschrieben und damit politischen Druck erzeugt. Dafür gekämpft hat vor allem der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Frank Wagner. Er wird von Interessenvertretern der Behinderten und den saarländischen Grünen dafür heftig angefeindet. Die Grünen werfen ihm sogar vor, das Personal, das durch die Neueröffnung der Schulen gebunden werde, fehle nun in Regelschulen für die Inklusion.

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