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Leseförderung im Ehrenamt : Zehntausende Mentoren werden dringend gebraucht

Pandemiebedingt auch online: Eins-zu-eins-Leseförderung von „Mentor“ Bild: Mentor - die Leselernhelfer

Hunderttausende deutsche Schüler benötigen Leseförderung. Den Schulen fehlen die Kapazitäten. Ehrenamtliche Kräfte müssen einspringen. Interview mit der Vorsitzenden von „Mentor – die Leselernhelfer“.

          8 Min.

          Warum braucht Deutschland ehrenamtliche Leselernhelfer?

          Uwe Ebbinghaus
          (uweb.), Feuilleton

          Weil es andernfalls, grob gesprochen, keine Bildungsgerechtigkeit gäbe. In dreißig Prozent der Elternhäuser wird Studien zufolge das Lesen nicht gefördert. Und Kinder, mit denen im Vorschulalter nicht gelesen wurde, kommen mit derart großen sprachlichen Defiziten in die Schule, dass sie Probleme beim Lesenlernen haben. Lehrer geben sich die größte Mühe, ihren Schülern das Lesen beizubringen. Aber die Lust am Lesen, die dazu führt, dass Kinder sich in Bücher vertiefen können, mitfiebern und alle Vorteile des Lesens mitnehmen, die können die Lehrer den Kindern mit großen sprachlichen Defiziten oft nicht ausreichend vermitteln. Dazu braucht es Menschen wie ehrenamtliche Lesementoren, die ihre eigene Freude am Lesen auf die Kinder übertragen. Sie treten nicht als Lehrer auf, sondern widmen sich den Kindern als Menschen mit viel Zeit und Zuwendung.

          Was machen Leselernhelfer oder Mentoren genau?

          Sie gehen einmal in der Woche in eine Schule und treffen dort Kinder, die Probleme mit dem Lesen und vor allem mit dem Verstehen haben. Die Kinder werden von ihren Lehrern für die Leseförderung vorgeschlagen. Die Mentoren gehen auf die Interessen der Kinder ein und holen sie dort ab, wo sie gerade stehen. Sie lesen mit den Kindern jeweils eine Schulstunde lang Texte oder Bücher, die die Kinder interessieren, jeder Mentor fördert ein Kind mindestens ein Jahr lang. Wir sind außerschulische Lernpartner, daher müssen die Eltern ihr Einverständnis erklären, Mentoren müssen auch ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Es geht in den Treffen dabei nicht um Leseleistung, sondern darum, das Interesse des Kindes für das Lesen zu wecken. Das Kind soll gerne lesen, unser Ziel ist es, das Kind für die Welt zu öffnen. Es gibt verschiedene Verfahren der Leseförderung. Zum Beispiel liest entweder nur das Kind, nur der Mentor oder es lesen beide zusammen. Anschließend wird über das Gelesene gesprochen, damit das Verstehen gewährleistet ist. Diese Vermittlung von Lesekompetenz ist ganz wichtig. Dafür sind auch Leseratespiele geeignet oder das Nachbasteln einer Bauanleitung. Mentoren loben das Kind für alles, was es kann, helfen über seine Schwächen hinweg und sind mit viel Geduld und Humor dabei. Die Tatsache, dass ein dem Kind bisher unbekannter Erwachsener freiwillig und ehrenamtlich zu ihm kommt, stärkt sein Selbstbewusstsein und öffnet die Kinder fürs Lesen. Die Kinder sagen: „Der kommt für mich alleine und fragt mich auch mal nach meiner Meinung“ – das finden die Kinder ganz toll. 

          Was schätzen Sie – wie viele Schüler benötigen in Deutschland eine Leseförderung?

          Margret Schaaf ist seit 2013 Vorsitzende des Bundesverbandes von „Mentor“
          Margret Schaaf ist seit 2013 Vorsitzende des Bundesverbandes von „Mentor“ : Bild: Mentor - die Leselernhelfer

          Die einschlägigen Studien besagen, dass zwanzig Prozent der deutschen Schüler nicht in der Lage sind, sinnentnehmend zu lesen. Am Ende des vierten Schuljahres können zwar viele einen Satz erlesen, aber sie verstehen nicht, was er bedeutet. Und die Entwicklung setzt sich fort: Zwanzig Prozent der Fünfzehnjährigen lesen auf Grundschulniveau. Zudem haben wir 6,2 Millionen funktionale Analphabeten im erwerbsfähigen Alter. Die Spirale dreht sich also immer weiter.

          Nun gibt es 13.000 ehrenamtlich tätige Lesementoren, eine erstaunlich große Zahl, aber im Grunde reicht das bei Weitem nicht aus. Wer genau bekommt die Leseförderung?

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