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MINT-Schwäche in Schulen : Ist Lernsoftware besser als ein schlechter Mathelehrer?

Da intelligente Softwaresystem für die MINT-Fächer fehlen, werden viele Probleme der letzten Jahre in deutschen Schulen erhalten bleiben. Bild: dpa

In Zeiten von Distanzlernen, Lehrermangel und fachfremd erteiltem Unterricht könnte intelligente Lernsoftware viele Probleme lösen. Aber wo bleibt sie? Ein Gespräch mit dem Bildungsforscher Olaf Köller.

          7 Min.

          Das von Ihnen betreute MINT-Nachwuchsbarometer hat deutschen Schulen ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis ausgestellt. Wie hat die Corona-Krise die Situation aus Ihrer Sicht verändert?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Olaf Köller: Wir haben im MINT-Nachwuchsbarometer gesehen, dass es um die digitalen Kompetenzen sowohl der Schülerinnen und Schüler als auch der Lehrkräfte nicht gut bestellt ist und teilweise auch die nötige Infrastruktur, die Ausstattung mit Geräten, in den Schulen fehlt. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler und auch die Schulen zum Teil nicht auf die digitalen Werkzeuge zugreifen konnten, mit denen man ein Distanzlernen vernünftig hätte organisieren können. In Dänemark etwa verhält es sich anders. Dänemark hat schon vor Jahren den Schritt zur vollständigen Digitalisierung der Schulen vorgenommen. Dort gab es in den vier Wochen Schulschließung business as usual.

          Kann man das wirklich so sagen?

          Ich hatte vor kurzen eine spannende Video-Konferenz, bei der es eigentlich um Schulöffnungen in Lateinamerika ging. Zugeschaltet war der Präsident der dänischen Gemeinschaft der Schulleiterinnen und Schulleiter. Er sagte: Der Lockdown hat in den dänischen Schulen zu keinerlei Problemen geführt. Die Schüler waren gewohnt, mit digitalen Endgeräten zu arbeiten, sie wurden zu Hause versorgt und konnten weiterlernen.

          Sind die Auswirkungen der Corona-Krise nicht vor allem verheerend für die Risikogruppe, wie Sie sie in Ihrem Barometer nennen: Schüler, die die Grundrechenarten nicht sicher beherrschen?

          Wir werden diese Auswirkungen sicher noch nicht im nächsten Jahr mit harten Daten hinterlegen können. Aber 2021 wird hoffentlich der Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in den vierten Klassen durchgeführt werden können. In diesem Jahr musste er wegen Corona leider ausfallen. Das werden wirklich interessante Ergebnisse, die aber leider erst 2022 erscheinen werden. Dann werden wir die Corona-Effekte sehr deutlich sehen. Und alles spricht dafür, dass wir insbesondere ein Aufgehen der sozialen Schere beobachten werden, die soziale Ungleichheit wird zugenommen haben. Meine Prognose wäre auch, dass wir insgesamt mit deutlich niedrigeren Leistungen zu rechnen haben aufgrund des fast halbierten Schuljahres, das in der Corona-Krise verloren gegangen ist.  

          Inwiefern hat der corona-bedingte digitale Unterricht neue Möglichkeiten oder gerade Schwächen der MINT-Vermittlung offengelegt?

          Olaf Köller ist Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Professor für Empirische Bildungsforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

          Der positive Schub, der durch die Corona-Krise entstanden ist, betrifft die MINT-Fächer nicht alleine. Er besteht darin, dass Lehrkräfte die Computer und damit verbunden die Videokonferenz stärker für sich entdeckt haben. In den Naturwissenschaften und der Informatik ist es nur leider so, dass wir kaum gutes digitales Lehr-Lernmaterial haben – spannende Simulationen beispielsweise in den Naturwissenschaften. Hier ist eine Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten verschlafen worden. Wir haben im Grunde ganz auf das analoge Schulbuch gesetzt, auf das Experiment in der Schule und leider wenig auf intelligente Software, mit der man gerade MINT-Bildung im Unterricht gut fördern kann. Man kann zum Beispiel Versuche am Computer nachbauen oder Simulationen einsetzen. Meine Lieblingssimulation im Netz ist im Moment eine, bei der man sehen kann, wie unterschiedliche Parameter, zum Beispiel die Abstandsregel, die Ausbreitung von Corona beeinflussen.

          In welchen Ländern sind solche intelligenten Systeme an den Schulen schon im Einsatz?

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