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Lesermail eines Abiturienten : Wir brauchen kein WHITE House

  • -Aktualisiert am

Julian Robin Müller: „No Need For A WHITE House“ Bild: Julian Robin Müller

Ein Abiturient aus Rheinland-Pfalz hat im Feuilleton einen Artikel über die Instrumentalisierung Martin Luther Kings im heutigen Amerika gelesen. Das hat ihn zu einem Bild inspiriert, welches wir hier veröffentlichen.

          2 Min.

          Sehr geehrte Damen und Herren,

          mein Name ist Julian Robin Müller und ich bin Abiturient des „Jahrgangs Corona“. Bis vor Kurzem habe ich das Landesmusikgymnasium in Montabaur besucht, doch drücke ich mich nicht nur am Klavier, im Gesang und durch Komposition aus, sondern male, um meine Gedanken zu verschiedenen Themen zu verarbeiten.

          Ich habe den Artikel von Cornelius Dieckmann am 16. Juni über die Vereinnahmung von Bürgerrechtlern wie Martin Luther King durch verschiedene amerikanische und europäische Institutionen gelesen und war außer mir, dass es zu solch einer schamlosen Instrumentalisierung kommen kann. Figuren des Civil-Rights-Movement sollten kein Instrument sein für die Rechtfertigung einer spezifischen politischen Meinung, sie sollten Vorbilder eines jeden Politikschaffenden werden.

          In Folge dieser Gedanken habe ich ein Bild erstellt, das Sie womöglich verwenden können in Bezug auf die Black-Lives-Matter-Bewegung. Ich weiß, dass vermutlich der größte Teil an Texten über dieses Thema schon veröffentlicht wurde, doch mir ist wichtig, dass es jetzt eben in der Kunst und Kultur ankommt und dort eine neue Form der Darstellung finden kann. Ich habe versucht, auch in diesem schwierigen Jahr, in dem alle Pläne durchkreuzt wurden, einen Ausgleich in der Kunst zu finden und stehe damit als ein Beispiel für meinen Jahrgang. Vielleicht können Sie das Bild und meine Intention ja verwenden; es würde mich sehr freuen.

          Das Werk heißt „No Need For A WHITE House“. Martin Luther King steht, gezeichnet nach einer bewegenden Aufnahme am Rednerpult, gerade zu weiteren Worten ausholend im Vordergrund. Jegliche Hautfarbe verliert durch die stets graue Kohlezeichnung ihre Bedeutung. Seine Kleidung wird gebildet durch einige Zitate von meist amerikanischen und farbigen Prominenten, wie zum Beispiel von Michelle Obama, die sich zur BLM-Bewegung geäußert haben. Die Sätze beschäftigen sich ausnahmslos mit dem Problem von strukturellem Rassismus in globaler Perspektive.

          Doch es sind nicht nur Prominente, die für Fortschritt eintreten. Die Bewegung wurde und wird immer noch vor allem durch die protestierenden Menschen auf den Straßen und vor Regierungsgebäuden getragen. So wird King umrahmt durch eine Mischfläche von Acrylfarben, aus deren Formlosigkeit sich unter ihm klar eine demonstrierende Menge mit Bannern und erhobenen Händen abzeichnet.

          Neben seiner Person selbst liegt ein weiterer Fokus auf dem Gebäude in seinem Rücken, das jedoch eben nicht das „Weiße Haus“ ist, sondern eines, dass in jeder erdenklichen Nuance von menschlicher Hautfärbung erstrahlt durch die Wirkung satter Pastellkreiden. Ein eben nicht weißes Haus, das in vielerlei Hinsicht herbeigesehnt wird.

          Vielen Dank und bleiben Sie gesund!

          Mit freundlichen Grüßen

          Julian Robin Müller

          Julian Robin Müller

          Julian Robin Müller hat gerade sein Abitur am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz abgelegt. Dort bekam er auch Unterricht am Klavier, im Gesang und verfasst seit 2017 eigene Kompositionen. Ausstellungsteilnehmer war er im Landesmuseum Mainz und dem Ludwigmuseum in Koblenz. Unter anderem gewann er 2016 den Alexandra-Lang-Kunstwettbewerb, ebenfalls 2016 den Jugend-creativ-Preis sowie 2017 und 2018 den europäischen Wettbewerb. 2019 erhielt er ein Stipendium des Künstlerhauses Hooksiel in Niedersachsen, für das er gerade seine erste große Einzelausstellung ausrichtet. Ende des Jahres möchte er ein Physik-Studium beginnen.

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