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Familienministerin Giffey : Komplette Schul- und Kita-Öffnung nur ohne 1,50-Meter-Regel

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Schülerinnen und Schüler der E-Phase im Heinrich von Gagern-Gymnasium im Frankfurter Stadtteil Ostend gehen zusammen ins Schulgebäude. Bild: dpa

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey dämpft die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zum Normalzustand in Schulen und Kitas. Nach dem Vorpreschen Sachsens und Thüringens hagelt es Kritik vom deutschen Lehrerverband.

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          Eine komplette Öffnung von Schulen und Kitas wird nach Ansicht von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) erst möglich sein, wenn die 1,50-Meter-Abstandsregel nicht mehr gilt. „Das ist eine ganz klare Geschichte. Weil sie ansonsten einfach nicht 100 Prozent der Kinder in 100 Prozent der Zeit von Kita und Schule zurückholen können“, sagte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin.

          Die Entscheidung, ob man sich von der 1,50-Meter-Abstandsregelung verabschiede, sei eine „sehr, sehr schwere Entscheidung“. Das könne nicht für das gesamte Bundesgebiet am Tag X festgelegt werden, sondern müsse anhand der Lage vor Ort entschieden werden. „Wenn die Lage vor Ort so ist, dass das Risiko als äußerst gering eingeschätzt werden kann, dann kann man diese Schritte gehen in Richtung verantwortbarer Öffnung hin zu 100 Prozent Regelbetrieb.“ Eine genaue Festlegung auf den Tag in allen Bundesländern könne es nicht geben. „Das ist auch nicht in unserer Macht, weil das die Länder nunmal in ihrer Länderzuständigkeit entscheiden“, sagte Giffey.

          Thüringen und Sachsen hatten angekündigt, den Unterricht demnächst wieder ohne Abstandsregeln, Mundschutz und Unterteilung in kleine Lerngruppen organisieren zu wollen. Die Pläne wurden vom deutschen Lehrerverband jedoch harsch kritisiert. Schulen dürften nicht „zum freien Experimentiergelände für den Umgang mit der Gesundheit von Schülern, Lehrern und Familienangehörigen werden“, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger am Montag. Alle wünschten sich „dringlichst“ eine Rückkehr zum Normalbetrieb. Es bestehe jedoch eine Infektionsgefahr in größeren Gruppen in geschlossenen Räumen.

          Meidinger verwies in diesem Zusammenhang auf die Corona-Ausbrüche nach einer Feier in einem Restaurant in Niedersachsen und einem Gottesdienst in Frankfurt am Main. Die Ankündigung aus Thüringen und Sachsen löse bei ihm deshalb „größte Besorgnis“ aus, sagte er in Berlin.

          Zuvor hatte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Wochenende angekündigt, die bisherigen Corona-Maßnahmen in seinem Bundesland bald beenden zu wollen. Auch Sachsen denkt nach Angaben von Landessozialministerin Petra Köpping inzwischen über einen Wegfall genereller Beschränkungen und einen „Paradigmenwechsel“ ab dem 6. Juni nach. In anderen Bundesländern und bei der Bundesregierung stoßen die Bestrebungen der beiden Länder allerdings auf Skepsis.

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