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Sexueller Kindesmissbrauch : Die Schule bietet enorme Chancen für Betroffene

  • -Aktualisiert am

Im Verborgenen: Missbrauch wird oft viel zu spät entdeckt, wie hier an der Odenwaldschule in Heppenheim. Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Innere Abwehr macht blind und verdeckt die Erkenntnis. Wie die Thematisierung sexueller Gewalt in der Schule auch durch Lehrer gelingen kann. Ein Gastbeitrag.

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          Die Schule ist ein zentraler Ort für Kinder und Jugendliche, und deshalb kann die Thematisierung von sexuellem Kindesmissbrauch nicht außen vor bleiben. „Ich habe in meiner Kindheit deutliche Signale ‚ausgesendet‘“, so eine Betroffene, „zum Beispiel die plötzlichen sozialen Auffälligkeiten, auf die Lehrer und Ärzte hätten reagieren müssen.“ Diese Erfahrung sexueller Gewalt teilen viele andere Betroffene, deren Verhalten sich nach persönlichen Gewaltwiderfahrnissen in ihrer Familie oder anderen Kontexten wie dem Sport verändert hat. Doch häufig blieben und bleiben betroffene Kinder und Jugendliche allein. „Niemand, wirklich niemand kam auch nur auf die Idee, Fragen zu stellen“, beklagt eine Frau, und dabei bietet doch gerade die Schule viele Gelegenheiten, auf ein Kind aufmerksam zu werden und eine Gewaltdynamik zu durchbrechen.

          Initiativen wie „Schule gegen sexuelle Gewalt“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Kooperation mit den Kultusbehörden der Länder einschließlich der bundesweit anerkannten interaktiven Onlinefortbildung „Was ist los mit Jaron?“ zielen darauf, Erwachsene im Bildungssystem zu informieren und zu befähigen, über sexuelle Gewalt zu sprechen, genau hinzuschauen und Betroffenen zu helfen. Welche Bedeutung empathische und kompetente Lehrkräfte für Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt erleben, haben können, davon zeugen die Betroffenenberichte an die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Diese lädt seit 2016 betroffene Menschen dazu ein, ihre Geschichte zu erzählen und so Zeugnis über sexuelle Gewalt in Erziehungsverhältnissen abzulegen.

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