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Streit um die Islamtheologie : Fragwürdige Kooperationen

Laut Verfassungsschutz ein „Außenposten Teherans“: das Islamische Zentrum Hamburg, Kooperationspartner der Landesregierung Bild: dpa

Beim Islamunterricht an den Schulen und der Islamtheologie an den Hochschulen muss der Staat mit religiösen Repräsentanten kooperieren. Das heißt aber nicht, dass man Fundamentalisten hofieren muss – wie es oft geschieht.

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          Der Staat steht bei der Lehrerlaubnis für den Islamunterricht und die Islamische Theologie vor einem Dilemma: Anders als bei den christlichen Kirchen steht ihm keine anerkannte Religionsgemeinschaft zur Verfügung, die diese Erlaubnis erteilt. Deshalb werden verschiedene Hilfskons­trukte aus der Taufe gehoben, die meistens darein münden, dass nicht religiöse und theologische Instanzen, sondern Verbandsfunktionäre dar­über entscheiden, welche Lehrer und Schulbücher ausgewählt werden. Damit stellt sich die Frage, warum überhaupt der Umweg über ein fremdes Gremium eingeschlagen wird, den das Staatskirchenrecht ja gerade aus theologischen und wissenschaftlichen Gründen vorsieht.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Ein solch schiefes Konstrukt hat das Land Baden-Württemberg mit dem 2020 gegründeten Sunnitischen Rat geschaffen. Dieser Rat nutzte seine Kompetenz sogleich, um mehreren als moderat geltenden Islamtheologen die Lehrerlaubnis zu verweigern, mit der Begründung, ihnen fehle die theologische oder pädagogische Kompetenz. Dazu muss man wissen, dass es die islamische Theologie und Religionspädagogik an deutschen Universitäten erst seit wenigen Jahren gibt. Den Dozenten wurde vorgeworfen, etwas nicht zu besitzen, was sie gar nicht haben konnten, und das von einem Gremium, das selbst keine theologische und wissenschaftliche Kompetenz besitzt.

          Nachdem der Fall bundesweit Wellen geschlagen hatte, beruhigte die Landesregierung die zahlreichen Kritiker mit dem Hinweis, die strittigen Entscheidungen würden an externe Gutachter weitergegeben. Schaut man sich diese Schiedskommission an, wird es allerdings nur noch kurioser. Bülent Uçar, Leiter des ersten Islamkollegs in Deutschland zur Ausbildung von Religionslehrern und Imamen, ist in Islamwissenschaften promoviert, nicht in Theologie oder Religionspädagogik. Tarek Badawia hat eine Doktorarbeit ohne religiösen Schwerpunkt in Erziehungswissenschaft vorzuweisen. Oman Isfen ist ausgebildeter Jurist. Nach den Kriterien, die der Sunnitische Rat bei seinen Entscheidungen anlegte, müsste den heute Theologie lehrenden Badawia und Uçar selbst die Lehrerlaubnis entzogen werden.

          Kaum besser sieht es in Nordrhein-Westfalen aus, wo der türkische Präsident Erdogan seit Mai über den Moscheeverein Ditib wieder in deutsche Klassenzimmer hineinregieren darf – mit dem Segen der schwarz-gelben Regierung unter Ministerpräsident Laschet. Die islamistischen Sympathien Erdogans, etwa für die antisemitische Muslimbrüderschaft, dürften ihm bekannt sein. In Hamburg redet das örtliche Islamische Zentrum beim Islamunterricht mit, dessen Leiter laut Verfassungsschutz der direkte Vertreter des iranischen Revolutionsführers Chamenei in Deutschland ist, also jenes religiös begründeten Regimes, das tausendfach Kritiker hinrichten lässt, Frauen aus geringfügigen Anlässen auspeitscht oder steinigt und Homosexuelle staatsoffiziell an Baukränen aufhängen lässt. Warum die Lehrerlaubnis nicht direkt in die Hände der Universitäten gelegt wird – dafür gibt es angesichts dieser Verhältnisse keinen vernünftigen Grund.

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