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Homeschooling am Limit : Wenn Serverausfälle den Unterricht dominieren

Zu der künftigen digitalen Bildungsplattform gehören drei Module: der virtuelle Arbeitsplatz für Lehrer, für den auch Microsoft Office genutzt werden soll. Ein Unterrichts-Lern-Modul, das Programme für Schüler und Lehrer enthält, beispielsweise Moodle oder „It’s learning“. Demnächst soll noch die Mediadatenbank „Sesam“ in dieses Modul integriert werden. Und das schon funktionierende Modul „Sichere Kommunikation“, mit dem die Lehrer ihre Kommunikation abwickeln sollen, etwa mit dem Messenger-Dienst „Threema“. Einige wenige Lehrer haben über diesen Dienst auch schon neue Mail-Adressen erhalten.

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Datenschutz vs Anwenderfreundlichkeit

Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist immer noch unklar, in welchem Umfang für die neue Plattform Microsoft-Software erlaubt ist. Kultusministerin Eisenmann will „Office 365“ und „Teams“ unbedingt nutzen lassen und hat hierzu an dreißig Berufsschulen gerade ein Pilotprojekt gestartet. Damit sind aber die Oppositionsparteien SPD und FDP sowie der grüne Koalitionspartner überhaupt nicht einverstanden. In ungewöhnlicher Einmütigkeit wollen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der baden-württembergische Philologenverband, der Landesschülerbeirat, der Landeselternbeirat, die Verbraucherzentrale sowie eine Reihe weiterer Verbände die „Abhängigkeit von einem Cloud-Angebot wie MS 365“ unbedingt verhindern.

„Selbst wenn die Microsoft-Server (wie in diesem Fall beabsichtigt) in Deutschland stehen, muss Microsoft Daten an Behörden in die USA übertragen, wenn dies von dort angeordnet wird“, heißt es in der Stellungnahme der Verbände. Diesen Vorwürfen tritt die Kultusministerin vehement entgegen: „Zahlreiche Schulen nutzen bereits Microsoft-365-Anwendungen. Viele Schulleitungen und auch Schülerinnen und Schüler melden uns zurück, dass sie diese auch in Zukunft zwingend einsetzen wollen. Viele Schulen weisen darauf hin, dass sich diese Produkte intuitiv bedienen lassen und damit den schulischen Alltag einfach und pragmatisch unterstützen.“ Es sei verwunderlich, dass die Verbände in ihrer Stellungnahme die Bedürfnisse der Schulen und Praktiker vor Ort offenbar nicht zur Kenntnis nähmen und die Realitäten des Alltags verkennten.

Der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Stefan Brink prüft gerade, ob es eine datenschutzkonforme Nutzung für die Schulen geben kann und ob Microsoft zusätzliche, diesbezügliche Versprechungen überhaupt einhalten kann. „Daran habe ich noch immer Zweifel: Bleiben die Daten komplett auf deutschen Servern? Fließen nicht doch noch Datenmengen auf Server in die Vereinigten Staaten ab? Was geschieht mit den Daten von Schülern und Lehrern, wenn sie sich anmelden oder wenn es zu Systemabbrüchen kommt?“, sagte Brink der F.A.Z. Darüber herrsche Unklarheit, er wolle das bis Ende März klären. Über den Einsatz von Windows Office 365 als Software für Schulplattformen gebe es in Deutschland noch längst keine Einigkeit: In Rheinland-Pfalz zum Beispiel dulde man diese Software nur noch bis zum Sommer, in Norddeutschland werde häufig mit OpenSource-Software gearbeitet, sagte Brink. Der Berliner Datenschutzbeauftragte entschied jüngst, dass es eine rechtskonforme Nutzung des Programms „Teams“ nicht geben könne. Auch in Brandenburg waren die Schulen vor kurzem informiert worden, dass eine datenschutzkonforme Nutzung cloudbasierter Produkte von Microsoft derzeit nicht möglich sei.

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