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Erfahrung von Gymnasiallehrer : Furcht und Elend des Deutschunterrichts

  • -Aktualisiert am

Handliche, oft genug verhasste Schullektüre: Deutschunterricht kann auch begeistern. Bild: Joerg Lantelme

Warum bluffen Lehrer, machen ihren Schülern Angst und verleiden ihnen damit die Freude an der Literatur? Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Abitur. Mündliche Zusatzprüfung im Fach Deutsch. Die Schülerin will sich verbessern, um einen bestimmten Notenschnitt in ihrem Zeugnis zu erreichen. Aber es wird nicht die erhoffte Zwei. Als sie das Ergebnis erfährt, bricht die junge Frau in Tränen aus, fängt an zu schreien, stürzt aus dem Raum. Ich bin einer der Prüfer. Für mich war die Leistung gut, nicht brillant, aber noch eine schwache Zwei wert. Meine Kollegin, die mit mir entscheidungsberechtigt ist, bestand auf einer Drei: Drei plus, zu wenig in der Rechnung der Schülerin. Die Abiturientin hatte Angst: vor der Prüfung, vielleicht auch vor ihren Eltern, die Höchstleitungen vom Kind erwarteten. Die Angst steckt in unserem Schulsystem wie ein Virus, das nicht besiegt werden kann. Anders als bei Covid-19 sind es die Kinder, die sich am leichtesten anstecken, sie sind die Risikogruppe. Das Virus verbreitet sich aber auch unter Lehrern, selbst die Fachleiter an den Schulen und die Beamten der Kultusbehörden sind nicht frei davon.

          Ich bin Deutschlehrer an einem Gymnasium in Bayern. Die Kinder sollen richtig und verständlich schreiben, komplexe Texte lesen lernen und Literatur verstehen können. Ich weiß, dass Kinder etwas lernen, wenn sie Freude daran haben. Ich weiß, dass man sie zum Lernen in ihrem Selbstvertrauen stärken muss, und ich bin mir sicher, dass die Persönlichkeit des Lehrers bei all dem eine entscheidende Rolle spielt. Er darf keine Angst verbreiten.

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