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Zu früh für Lockerungen : Kanzleramt und Gewerkschaft plädieren für längere Schulschließungen

  • Aktualisiert am

Ein leeres Klassenzimmer der Oberschule Ratzelstraße in Leipzig Bild: dpa

Für Lockerungen oder die Rückkehr zum Präsenzunterricht fehlten an den meisten Schulen und Kitas noch immer die Voraussetzungen, argumentiert die GEW. Offenbar sieht das auch die Kanzlerin so.

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          Vor den Bund-Länder-Beratungen am heutigen Dienstag wird weiter über mögliche Schulöffnungen diskutiert. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ruft dabei auf, die Schließungen von Schulen und Kitas zu verlängern. Der Deutsche Lehrerverband fordert einen Stufenplan für eine geordnete Rückkehr zum Schulbetrieb.

          Wie aus einem einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Entwurf für die Bund-Länder-Gespräche hervorgeht, plädiert das Kanzleramt dafür, dass Schulen grundsätzlich erst nach dem 15. Februar geöffnet werden. Zugleich soll eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die mögliche Öffnungsschritte vorbereitet, wenn die Virus-Inzidenz unter 50 sinkt. 

          Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der „Rheinischen Post“, er erwarte „von der Ministerpräsidentenkonferenz und der Bundeskanzlerin, dass endlich ein an Infektionszahlen gebundener Hygienestufenplan für den Schulbetrieb vorgelegt wird“. Dieser müsse regeln, ab welchem Infektionsgeschehen für welche Altersgruppe welche Unterrichtsform möglich sei.

          Meidinger nannte Präsenzunterricht, Wechselbetrieb oder Distanzunterricht als Möglichkeiten: „Bei der Rückkehr an die Schulen sollten die Abschlussklassen und die Primarstufe bevorzugt berücksichtigt werden.“ Zudem forderte er, dass Lehrkräfte frühzeitig geimpft werden müssten: „Zumindest für die Gruppe der über 60-Jährigen und der Lehrkräfte mit Vorerkrankungen müsste eine Impfung noch in diesem Quartal unbedingt ermöglicht werden.“

          „Niemand darf sitzenbleiben“

          GEW-Chefin Marlis Tepe rief im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten auf, die Schließungen von Schulen und Kitas zu verlängern: „Die Infektions- und Sterbezahlen bewegen sich weiter auf einem hohen Niveau, zudem sind die Risiken durch Mutationen des Coronavirus aktuell nur schwierig einzuschätzen.“ Es deute einiges darauf hin, dass von den Mutationen ein erhöhtes Infektionsrisiko ausgehe.

          „Für weitgehende Lockerungen oder die schnelle Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht fehlen an den meisten Schulen und Kitas noch immer die Voraussetzungen“, sagte Tepe. „Wir verknüpfen mit unserer Empfehlung die dringende Forderung, endlich ein bundesweit einheitliches, verbindliches Vorgehen zu vereinbaren“, fügte die Lehrergewerkschafterin hinzu.

          Tepe warnte: „Die Akzeptanz von Beschlüssen sinkt beim gesamten pädagogischen Personal, bei Schülerinnen, Schülern sowie deren Eltern, wenn der Eindruck entsteht, dass die Länder gemeinsame Vereinbarungen willkürlich interpretieren und jedes Land nach den Gipfeltreffen macht, was es will.“ Nach dem Schul-Lockdown müsse es einen Einstieg in den Unterricht mit dem Wechselmodell geben, um den Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern zu halten.

          Zudem müssten die Länder rechtssicher vereinbaren, dass sie alle Schulabschlüsse gegenseitig anerkennen, so die GEW-Chefin. Auch eine Verschiebung von Prüfungen könne sinnvoll sein. Aus Sicht der GEW-Chefin würde eine generelle Verlängerung der Schulzeit zu Lasten aller Schüler gehen. Außerdem fehlten dafür das Personal und oft auch die räumlichen Voraussetzungen. Dies könne nur eine freiwillige Einzelfallmaßnahme sein. „Klar ist, dass in diesem Schuljahr niemand sitzenbleiben darf.“

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