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Berufsberaterin im Gespräch : „Für Jugendliche ist häufig ein Realitäts-Check nötig“

Was früher die „Schwarzwaldklinik“ war, übernehmen heute Serien auf Netflix und Posts in den Sozialen Medien Bild: dpa

Die Studien- und Berufsberaterin Simone Jawor-Jussen im Gespräch darüber, wie Social Media und Netflix die „Schwarzwaldklinik“ abgelöst haben und wie das Berufsbilder junger Menschen beeinflusst.

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          Wie tragen Medien zum Image eines Berufs bei? Dass das passiert, kennen wir ja seit der Schwarzwaldklinik oder von Ally McBeal.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Simone Jawor-Jussen: Die Prägung solcher Images hat sich vom Fernsehen verlagert auf Netflix, generell auf Serien, die in Streams geguckt werden. Zum Beispiel Emergency Room für medizinische Berufe oder die Anwaltsserie Suits, Brooklyn 99 für den Themenkreis Polizei und Strafvollzug. Da werden Bilder in den Köpfen von Jugendlichen verankert, nach dem Motto: Wenn ich diesen Beruf lerne, dann erlebe ich später auch Ansehen, Reichtum, Erfolg. Neben den Serien gibt es aber noch viele weitere Medien, die Berufsbilder mit prägen.

          Welche denn?

          Youtube, Instagram, TikTok und so weiter. Die Influencer dort geben in ihren Posts und Videos Alltagsgeschichten aus den verschiedensten Berufen wieder. Und sie machen das auf sehr unterhaltsame Art und Weise. Die Geschichten werden so spannend erzählt, dass die Jugendlichen dabeibleiben. Auch Humor und Ironie spielen eine Rolle. Also dass die Akteure auch gern mal ihren eigenen Beruf auf die Schippe nehmen.

          Wie begegnet Ihnen all das im Beratungsalltag?

          Wir erleben in Beratungen häufig, dass ein Realitäts-Check erforderlich ist. Es ist erst mal gut, wenn Jugendliche sich im Internet inspirieren lassen und vielleicht auf Berufe aufmerksam werden, die eben in Serien nicht so prominent dargestellt werden. Gleichzeitig ist es dann aber auch erforderlich, dass sie überprüfen, wie viel das eigentlich mit ihrem Leben zu tun hat, ob das zu ihnen passt, ob es mit den Stärken, Interessen und Fähigkeiten übereinstimmt, die sie mitbringen.

          Welche Berufe kämpfen am stärksten mit falschen Bildern?

          Vor allem die allgemein bekannten Berufe: Ärzte, Anwälte, Polizei. Wobei die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei da schon Früchte getragen hat und diejenigen, die sich dafür interessieren, auch durchaus oft eine gute Vorstellung davon haben. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch eher unbekannte Bestandteile von Berufen, die dann in der Beratung mit vermittelt werden müssen. Also zum Beispiel dass im Polizeiberuf Verwaltungstätigkeiten dazukommen und man sich mit der Rechtslage auskennen muss.

          Also ist Social Media im Berateralltag eher Fluch als Segen?

          Nicht unbedingt. Wir sollten nicht vergessen, dass die mediale Vermittlung eines Berufsbildes meist nur ein Impuls von vielen ist. Die Jugendlichen führen darüber hinaus viele Gespräche mit Eltern, Peers, Lehrern, Nachbarn und Freunden. Sie beobachten diejenigen, die schon in einen dauerhaften Berufsalltag eingebunden sind, und basteln sich so meist ein komplexes Bild. Es kommt eher selten vor, dass jemand völlig unreflektiert in eine Berufswahl hineinschlittert.

          Also doch eher ein Segen, weil man in einen Berufsalltag blicken kann, der früher oft nur hinter verschlossenen Türen stattgefunden hat?

          Definitiv. Hinzu kommt, dass in Social Media ein ganz anderer Austausch stattfinden kann, vieles direkt kommentiert und hinterfragt wird. Die Portale regen auch zum Austausch mit Peers an, die denselben Kanälen folgen. All das kann in Beratungen thematisiert werden. Und dadurch werden immer wieder sehr inter­essante Fragen gestellt, die ohne diese Impulse gar nicht gestellt worden wären.

          Simone Jawor-Jussen ist Beraterin an der Schnittstelle Schule/Hochschule an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Verbands für Bildungs- und Berufsberatung.

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