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Eindrücke aus Finnland : Krisenlehren für die digitale Schule

Grundschulkinder bei der Arbeit mit Tablets im Unterricht an der Wiesbachschule in Grävenwiesbach Bild: Frank Röth

Wie in Finnland Pädagogen ihre Kollegen digital fit machen und das Land in der Corona-Zeit davon profitierte.

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          Die Digitalisierung des Schulunterrichts war schon vor der Corona-Pandemie ein Dauerthema. Doch durch die Krise stand plötzlich der Praxistest an, so dass alle Beteiligten die bisherigen Erfolge und Versäumnisse direkt erlebten. Zwar lautet die Devise nun erst einmal „Rückkehr zum Präsenzunterricht“, aber das Thema wird bleiben und mit ihm die verschiedensten Anforderungen an eine digitale Schulwelt.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter dem Titel „The Anywhere School“ hat das Technologie-Unternehmen Google vergangene Woche nun eine – natürlich digitale – internationale Gesprächsrunde abgehalten, in der es um die Erfahrungen aus der Krise gehen sollte. Mit Anneli Rautiainen, „Head of Innonvation Unit“ an der nationalen Agentur für Bildung in Finnland, stand hier auch eine Vertreterin des Landes auf der Liste, das in Sachen digitaler Bildung schon länger einen guten Ruf genießt. Auch sie sei erst einmal geschockt gewesen, als am 18. März alle Schulen geschlossen wurden. Doch in Finnland habe man rasch erkannt, dass die Schulen Hilfe brauchen, damit das Lernen weitergeht.

          „Die Lehrer haben sich schnell organisiert und Materialien und Erfahrungen ausgetauscht“, sagt Rautiainen. Schließlich sei vor der Krise nicht überall in gleichem Maße digital gearbeitet worden. Geholfen habe auch das schon vor der Krise entwickelte Konzept der „Tutor-Lehrer“. Ein solcher sei mittlerweile an fast jeder Schule in Finnland im Einsatz. Wer diese Position innehat, unterrichtet einen Teil der Woche regulär. In der übrigen Zeit fungiert er als Lehrer für die anderen Lehrer, indem er das Kollegium in der Arbeit mit digitalen Methoden und in ihrem Einsatz unterstützt.

          „Schulen müssen Lerngemeinschaften sein“

          Im Zuge der Krise habe nicht zuletzt der Austausch zwischen Lehrern, Schülern und Eltern zugenommen, so Rautiainen: „Ich glaube, die Eltern haben gelernt, die Lehrer noch ein wenig mehr zu respektieren, und die Lehrer konnten sehen, wie Kinder zu Hause mit ihren Eltern lernen.“ Ihr Tipp für die Zukunft: zusammen an Neuerungen arbeiten. Der Lehrerberuf sei lange ein recht einsamer gewesen, aber „Schulen müssen Lerngemeinschaften sein“, sagt Rautiainen, und es brauche Mut, zu experimentieren. Nur so könne man erkennen, was funktioniert.

          Rautiainens Erkenntnisse könnten auch in Deutschland noch lange von Relevanz sein. Denn selbst wenn in den kommenden Wochen nach und nach in allen Bundesländern die Schulen wieder öffnen: Corona-(Verdachts-)Fälle haben schon jetzt mancherorts wieder zu punktuellen Schließungen geführt, etwa in Mecklenburg-Vorpommern.

          Gerade Schülern aus sozial schwächeren Schichten fehlt im Falle eines abermaligen Distanzunterrichts zu Hause jedoch oftmals schlicht ein Endgerät, um am Video-Unterricht teilnehmen oder auf Lernplattformen arbeiten zu können. Und natürlich braucht es darüber hinaus passende Angebote, mit denen sowohl Lehrer als auch Schüler umgehen können.

          Das ruft auch Technologiekonzerne wie Google auf den Plan. Mit seiner „G Suite for Education“ will der Digitalriese gleich ein ganzes Paket bieten: Werkzeuge für das „digitale Klassenzimmer“, Möglichkeiten für Online-Tests oder gleich auch Anwendungen für den digitalen Austausch mit Schülern, Eltern und Kollegen wurden hier im März unter der Plattform „Schule von zu Hause“ (Teach from Home) gebündelt.

          Die Nutzung ist zwar kostenlos, gleichwohl wird die Einbindung von Wirtschaftsunternehmen an Schulen von vielen kritisch gesehen. Im Fall von Google geht es obendrein natürlich um ein Unternehmen, das im Alltag mit diversen Services ohnehin schon sehr präsent ist. Google beteuert derweil, dass in den „Hauptdiensten“ der „G Suite“ keinerlei Werbung enthalten sei und die Daten nicht dafür genutzt würden. Zudem lösche das Unternehmen sämtliche Daten einer Schule und ihrer Mitglieder, wenn die Einrichtung die Google-Dienste nicht mehr nutzen wolle.

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