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Dissens beim Abitur : Föderalismus heißt Ungleichheit

Fleißnachweis: schriftliche Abiturprüfung in Düsseldorf Bild: dpa

Dass sich Föderalismus nicht durch Zentralismus retten lässt, ist eine Abi-Aufgabe leichter Art. Warum tun sich die Kommentatoren der deutschen Bildungslandschaft so schwer mit dieser Einsicht?

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          Mit dem Föderalismus ist es eine eigentümliche Sache. Er wird so lange gelobt, bis jemand Ernst mit ihm macht. Dann sind alle wieder für Zentralismus. Der Dissens über das Abitur hat das soeben noch einmal gezeigt. Als die schleswig-holsteinische Kultusministerin die Absicht des Landes kundtat, auf die Abiturprüfungen der Pandemie halber zu verzichten, war das Geschrei groß. Sie sei „vorgeprescht“, sagten dieselben, die soeben noch das bayerische Vorpreschen bei den Ausgangsbeschränkungen vorbildlich fanden und dem ganzen Land empfahlen nachzupreschen.

          Das weist auf den rhetorischen Umgang mit dem Föderalismus hin. Wenn in manchen Bundesländern etwas entschieden wird, das den Kommentatoren gefällt, dann ist Föderalismus gut. Missfällt es hingegen, ist sofort von Kleinstaaterei und Schlimmerem die Rede. Es herrsche Chaos, schimpfte beispielsweise ein Lehrerfunktionär, der den Begriff offenbar schon länger nicht mehr im Unterricht erläutern musste. Wo aber wäre denn das Chaos, wenn ein Bundesland zu anderen Verfahren der Leistungsbeurteilung überginge? Hat Gott der Herr die Abiturklausur erfunden? Oder wollen wir nicht lieber darüber reden, was an ihr, je nach Lage und überhaupt, vernünftig ist? Etwa im Unterschied zu einer Eingangsprüfung der Universitäten.

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