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Corona-Schule : Welche Standards brauchen wir fürs Homeschooling?

Viele Eltern haben derzeit das Gefühl eines Kontrollverlusts, weil ihre Kinder zum Teil ein erstaunlich geringes Arbeitspensum haben, ihre Aufgaben mühsam auf unterschiedlichen Plattformen zu ungewissen Zeiten zusammensuchen müssen und kaum Feedback bekommen.

Wichtig ist erst einmal, dass alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden können, dass alle die notwendigen Voraussetzungen haben, um zu Hause und in der Schule zu arbeiten. Das kam auch bei unserer Studie heraus. Dann brauchen Schüler natürlich Feedback, das müssen alle Lehrer geben. Nur Aufgaben bereitzustellen, reicht nicht. Letztlich geht es um die Begleitung von Lernprozessen. Dabei müssen wir jetzt kreativ werden und auch Finanzmittel einsetzen: Wenn an einer Schule Personal fehlt, weil zum Beispiel viele Lehrerinnen und Lehrer zu einer Risikogruppe zählen, könnte man doch darüber nachdenken, Lehramtsstudierende einzusetzen, die ja zum Teil ihre Nebenjobs verloren haben. Die Gesundheitsämter haben es ähnlich gemacht und Medizinstudierende eingesetzt. Und wenn in einer Schule die Raumkapazitäten zu klein sind, gerade vor dem Hintergrund der Hygienestandards, ist auch das kein unlösbares Problem. In dem Ort, in dem ich wohne, steht neben der Grundschule zum Beispiel eine leere Volkshochschule, da könnte man gut die dritten und vierten Schuljahre eine Zeitlang unterbringen. Mit Maßnahmen wie diesen könnte man mit relativ wenig Aufwand das Präsenzangebot vergrößern, um dazu beizutragen, die Kontakte und Beziehungsstrukturen in den Schulen wieder aufzubauen. Hierzu brauchen wir die Kooperationen vor Ort mit den Schulträgern und passende Regelungen, die dann die Schulen auf ihre Bedürfnisse angepasst umsetzen können. Und wir müssen schneller werden. Es scheint mir eine sehr deutsche Eigenart zu sein: Wir arbeiten so lange an Konzepten, bis sie von der Wirklichkeit schon wieder überholt sind. Wir müssen auch flexibler sein: Wir brauchen für die Zeit nach den Sommerferien mehrere Szenarien, auch einen Notfallplan, falls die Infektionszahlen wieder ansteigen, was ja gut passieren kann. Wir müssen es einfach als Gesellschaft schaffen, dass diese Pandemie nicht zu Lasten der Kinder und der der Schulen geht.

Wenn wir es realistisch betrachten, wird bis zu den Sommerferien für die einzelnen Klassen nicht mehr viel Präsenzunterricht stattfinden, Lehrerverbände haben ausgerechnet, dass schon der Wochenwechsel bei der jetzigen Personaldecke überambitioniert wäre. Das wiederum machte eine gute Verzahnung von Präsenz- und Distanzunterricht notwendig. Ist das nicht eine Kunst für sich und eine große organisatorische Herausforderung?

Ja, Lehrer müssen sich auf diese wenigen Präsenzstunden sehr gut vorbereiten. In der Präsenzzeit wird es nicht darum gehen, normalen Unterricht zu machen, etwa große Hausaufgabenpakete zu schnüren. Vielmehr gilt es, möglichst viele Zusammenhänge anzuregen, in den Austausch zu kommen,um in der Distanzphase möglichst viel zu bewirken und alle mitzunehmen. Dafür müssen wir aber jetzt schon den Schulen und den Lehrkräften Strukturen geben. Ich glaube, dass mit einem guten Konzept gute didaktische Settings möglich wären. Ich fände es zum Beispiel sinnvoll, dazu anzuleiten, dass die Schülerinnen und Schüler in der Übergangszeit zwischen den Präsenzterminen in Lerngruppen zusammenarbeiten und sich in Videokonferenzen treffen. Schüler könnten sich hier auch gegenseitig die Aufgaben kontrollieren, Feedback geben, was die Lehrkräfte dann wiederum entlasten würde. Dabei würden gleichzeitig nützliche Kompetenzen fürs 21. Jahrhundert vermittelt. Aber für solche Aufgaben müssten die Lehrerinnen und Lehrer sowohl die Möglichkeiten haben als auch die Kompetenzen – und klare Vorgaben, in welche Richtung der Zug eigentlich fahren soll. Was Lehrer in Zukunft nicht dauerhaft leisten können, ist neben dem permanenten Präsenzunterricht für verschiedene Gruppen auch noch die im Distanzunterricht Lernenden zu betreuen.

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Betreuungsgruppen wohl immer größer werden.

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