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Aufholprogramm und Digitalpakt : Schulverantwortliche im Bildungsschockzustand?

Auf einem Sportplatz versammeln sich die Abiturienten des Jahrgangs 2021 mit ihren Angehörigen für die Zeugnisvergabe Bild: dpa

Zwei verunglückte Homeschooling-Phasen, ungenutzte Fördermittel für Luftfilteranlagen, technische Defizite in der digitalen Infrastruktur. Ist das eine Corona-Bilanz, mit der sich die Bildungspolitik in die Ferien verabschieden kann?

          5 Min.

          In sechs von sechzehn Bundesländern haben die Schulferien bereits begonnen, am Montag kam mit Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste dazu. Viele Schüler, Eltern und Lehrer befinden sich schon im Urlaub, andere planen ihn noch oder haben sich für den Verzicht entschieden. Ein Gefühl der Entspannung will sich trotz guter Inzidenzzahlen nirgendwo einstellen. Zu groß ist die Ungewissheit darüber, wie es nach den Ferien in einem möglicherweise von der Delta-Variante dominierten Herbst weitergeht. Und es gesellt sich nach zwei verunglückten Homeschooling-Phasen die Befürchtung hinzu, dass die Schulverantwortlichen ein weiteres Mal versäumt haben, ausreichende Vorkehrungen für einen reibungslosen Unterrichtsablauf zu treffen.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          So wurden Fördermittel für mobile und stationäre Lutfilteranlagen, die in der aktuellen Debatte zumindest als wesentlich für den erhofften Präsenzunterricht gesehen werden, bisher kaum abgerufen. Ähnlich schleppend geht es mit dem vom Bund im Mai vorgestellten Aufholprogramm für Schüler voran. Organisatorisch gesehen ist es das größte schulische Förderprojekt der vergangenen Jahre, das bestenfalls in der ersten Woche des neuen Schuljahrs beginnen sollte. In den meisten Bundesländern wurden bisher aber nicht einmal Lernstandserhebungen durchgeführt, wie der in mehreren Beratungsgremien vertretene Bildungforscher Kai Maaz im Gespräch mit der F.A.Z. verwundert feststellt. Es gibt bislang weder einen Überblick darüber, wer die Hilfe am dringendsten benötigt, noch ist klar, woher das zusätzliche Personal für die Förderung kommen soll. Erstaunlich zaghaft ist nach wie vor der Mittelabfluss beim Digitalpakt. Endgeräte für Schüler und Lehrer wurden in der Pandemie fleißig bestellt, aber bei der digitalen Infrastruktur ist die Nachfrage weit geringer als erwartet. Sollten alle in der Pandemie festgestellten technischen Defizite an deutschen Schulen bereits behoben sein?

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