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Lehren lernen auf Distanz : Die Corona-Referendare

  • -Aktualisiert am

Alle 20 Minuten muss hier im Spanischunterricht gelüftet werden. Bild: Jens Gyarmaty

Die Lage an den Schulen bringt auch Lehrer in der Ausbildung an ihre Grenzen. Ihnen droht in der Corona-Pandemie eine doppelte Entfremdung.

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          Jung, motiviert, lernfähig – und bereit für eine Stelle als Lehrkraft: Für Kandidaten wie Caro Beck, die anders heißt, aber anonym bleiben möchte, müsste das Schulamt eigentlich den roten Teppich ausrollen. Die 26-Jährige bringt einen Master of Education in den gefragten Unterrichtsfächern Chemie und Englisch mit, aber nach rotem Teppich fühlt es sich gerade nicht an. „Die Stimmung an der Schule ist angespannt. Viele Kollegen sind gestresst und fokussiert auf die Vorbereitung des Homeschoolings“, erzählte sie kurz vor Ferienbeginn und zweitem Lockdown. Im Corona-Sommer begann ihr Vorbereitungsdienst an allgemeinbildenden Schulen in Hamburg. Schon damals durfte die feierliche Beurkundung im Rathaus nicht stattfinden, stattdessen gab es eine warme Videobotschaft des Bildungssenators. „Man muss immer so vorsichtig sein, das belastet mich“, sagt die Referendarin.

          Die zweite Phase der Lehrerbildung nach dem Studium gilt von jeher als Belastungsprobe oder gar Praxisschock. Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt: „Jeder ist froh, wenn es rum ist.“ Vor vielen Jahren hat sie selbst ein Referendariat absolviert, viel hospitiert, Unterricht analysiert, auch im Austausch mit anderen Anwärtern, schließlich eigenverantwortlich bis zu 14 Unterrichtsstunden übernommen. Diese Reihenfolge hätte sich Caro Beck auch gewünscht, aber die Hygieneregeln lassen Hospitationen außerhalb ihrer Klassen kaum zu. Selbst Mitreferendare der Schule sind in ihren Stunden unerwünscht: „Dabei ist das so wichtig, weil man sich Feedback geben kann, ohne in einer Bewertungssituation zu sein.“

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