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Bedeutende Pianistin : Eine Schule für Clara Schumann

Mit Witwenschleier: Clara Schumann 1888. Bild: Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg Frankfurt

Komponistin, Musikpädagogin, Unternehmerin: Clara Schumann steht vorbildhaft für Emanzipation. Als Namensgeberin für eine Schule reicht es aber dennoch nicht.

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          Es ist schon absurd. Da feiert eine Ausstellung Clara Schumann schon im Titel als „Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts“. Da wird sie als bedeutende Pianistin, als Komponistin, Musikpädagogin und Unternehmerin gewürdigt. Eine berufstätige Mutter, die den Familienunterhalt mit Konzertreisen bestritt. Aber leider ist sie ungeeignet als Namensgeberin einer Schule.

          Es ist ja nicht so, dass es einfach wäre, Schulen zu benennen. Nicht nur, weil ein Namenspatron politisch unbedenklich sein muss, sondern auch, weil die Stadt Frankfurt beschlossen hat, diese Ehre nur noch Frauen zukommen zu lassen. Was übrigens nicht verhinderte, dass es seit kurzem ein Adorno-Gymnasium gibt – mit der gewitzten Begründung, gewürdigt werde damit nicht etwa der Soziologe, sondern dessen Mutter Maria Calvelli-Adorno.

          Solche Verrenkungen wären bei Clara Schumann nicht nötig. Sie prägte als „Erste Klavierlehrerin“ an Dr. Hoch’s Konservatorium das Frankfurter Musikleben und hat somit einen starken Bezug sowohl zur Bildung als auch zur Lokalgeschichte. Gut, der Drill, dem die Meisterin ihre Schüler unterwarf, ist nicht mehr zeitgemäß, doch auch das taugte als Ansatz zur Auseinandersetzung.

          Die vom Magistrat akzeptierte Begründung, mit der die „Grundschule im Europaviertel“ vor einem halben Jahr die Benennung nach Schumann ablehnte, lässt tief blicken. Schumann habe keinen Bezug zum umgebenden Gallus, heißt es darin. So gesehen dürfte es auch die Goethe-Universität nicht geben, wurde der Dichter doch in der Altstadt geboren. Außerdem würde, wie es weiter heißt, „die Nähe zur Musik impliziert“, dabei habe die Schule doch gar keinen Musik-Schwerpunkt und werde ihn aufgrund des Fachlehrermangels so bald auch nicht bekommen.

          Wie wichtig Musikunterricht ist

          Die Argumentation geht in mindestens zweierlei Hinsicht fehl. Erstens gehört Musik in die Schule, ob es dafür nun einen zertifizierten Schwerpunkt gibt oder nicht. Zweitens ist der Musiklehrermangel tatsächlich ein Problem, aber nicht dadurch zu beheben, dass man Schulen nicht mehr nach Musikern benennt.

          Was musische Bildung bewirkt, zeigen etwa der „Musikschul-Nachmitag“ und der „Musik-Monat Mai“. Es geht dabei nicht nur um Klassik, aber auch. Denn Aufgabe der Schule ist es, Kindern gerade solche Erfahrungen zu verschaffen, die sie nicht sowieso schon machen. Vielleicht lernen einige von ihnen in diesen Tagen auch eine emanzipierte Pianistin aus dem 19. Jahrhundert kennen. Und unter den vielen Schulen, die derzeit in Frankfurt eröffnet werden, sollte sich sicher bald eine finden, die stolz darauf ist, den Namen Clara Schumanns zu tragen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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