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Beschluss der Kultusminister : Kein Rütteln am Abitur

Ausnahmen für Abschlussklassen: Schüler eines geteilten Kurses der Oberstufe sitzen in einem Klassenraum der Graf-Anton-Günther-Schule in Oldenburg Bild: dpa

Abitur und andere Prüfungen finden statt, darauf einigen sich die Kultusminister – gegenseitig will man die Abschlüsse anerkennen. Weniger Prüfungen können für mehr Lernzeit sorgen.

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          Kein Abiturjahrgang der letzten 70 Jahre hatte in der Breite solch schwierige Bedingungen. Dennoch eine Abiturprüfung mit denselben Vorgaben und Abläufen durchführen zu wollen, ist unverantwortlich“, so schreibt ein Abiturient aus Bielefeld und schlägt ein Durchschnittsabitur, schuleigene Klausuraufgaben und anderes vor. Doch davon wollen die Kultusminister nichts wissen. In einer Videoschaltkonferenz haben sie am Donnerstag vereinbart, dass die Abiturprüfungen auch 2021 stattfinden werden. Aus dem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder wird sich vor allem Sachsen bedienen, andere Länder wollen lieber darauf verzichten. „Sollten sich Folgen aus dem Pandemiegeschehen verschärfen, wird die Kultusministerkonferenz darüber beschließen, wie die Zuerkennung eines gleichwertigen Abiturs und die gegenseitige Anerkennung gewährleistet können“, heißt es im Beschluss.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte nach dem Beschluss, er sei von dem Leitgedanken getragen, dass Schüler „in diesem von der Pandemie geprägten Schuljahr keine Nachteile für ihre weitere Bildungsbiographie entstehen dürfen“. Die Kultusminister hätten versucht, einen Rahmen zu verabreden, der durch Einhaltung der Standards die Vergleichbarkeit sicherstelle, aber auch Spielräume schaffe, um auf die Einschränkungen der Pandemie Rücksicht zu nehmen. „Die in diesem Jahr erworbenen Abschlüsse werden denen früherer und späterer Jahrgänge gleichwertig sein und gegenseitig anerkannt werden“, so Ernst. Das soll nicht nur für das Abitur, sondern auch für alle Abschlüsse des Sekundarbereichs I (Hauptschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss) gelten.

          Mehr Lernzeit durch weniger Prüfungen

          Prüfungen können auch nach den Erfahrungen des Abiturs 2020 in geschlossenen Schulen stattfinden. Es gab damals keine Infektionsausbrüche, weil die Hygiene- und Abstandsregeln peinlich genau eingehalten wurden. Mündliche Prüfungen könnten in Ausnahmen auch in einem virtuellen Prüfungsraum als Videokonferenz stattfinden, wenn sie pandemiebedingt nicht in einem realen Prüfungsraum stattfinden könnten. Dazu können sich die Kultusminister einige Erleichterungen vorstellen. So könnten Prüfungstermine verschoben werden, wie das Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Sachsen und andere Länder schon getan haben.

          Nachschreibetermine könnten als Haupttermine genutzt werden. Die Anzahl der Klassenarbeiten oder Klausuren kann reduziert werden, um mehr Lernzeit zu gewinnen. Auch könnten länderinterne Schwerpunkte zu Prüfungsthemen oder Wahlthemen ermöglicht werden. Das heißt, dass Schüler sich gezielter auf erwartbare Themen vorbereiten können. Für denkbar halten die Kultusminister auch, dass mehr Prüfungsaufgaben bereitgestellt werden oder die Arbeitszeit bis zu 30 Minuten erhöht wird. Darüberhinaus können Schulen aus den zentral gestellten Prüfungsaufgaben wählen, weil sie die thematische Vorbereitung ihrer eigenen Schüler am besten abschätzen können. Zu möglichen Bewertungserleichterungen hat sich die Kultusministerkonferenz (KMK) derzeit noch nicht geäußert. Schließlich dürfen Schüler freiwillig ein Schuljahr wiederholen, ohne dass dies auf die Verweildauer insbesondere in der gymnasialen Oberstufe angerechnet wird.

          Das eröffnet denjenigen, die breite Lern- und Wissenslücken haben, die Möglichkeit, sie im kommenden Schuljahr in Ruhe nachzuholen, ohne eine Ehrenrunde angerechnet zu bekommen und damit bei einem weiteren Sitzenbleiben ihren Rauswurf zu riskieren.

          Bei den dualen Berufsabschlussprüfungen sind die zuständigen Kammern verantwortlich, die dabei von den berufsbildenden Schulen unterstützt werden. Um die Teilnahme an den Prüfungen zu sichern, wollen die Länder bei Bedarf zusätzliche Prüfungstermine innerhalb des Abschlusshalbjahres anbieten und gesonderte Regelungen zu Veränderungen in der Prüfungsdurchführung erlassen.

          „Dass die Kultusministerkonferenz sich auf Regelungen zu den Abschlussprüfungen verständigt hat, ist richtig und war überfällig. Damit wird nun Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler geschaffen, was in Zeiten des Umbruchs sehr wichtig ist“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Die Schüler hätten ein Recht auf Prüfungen, weil sie in den letzten Monaten daraufhingearbeitet hätten. Der Deutsche Philologenverband forderte die Kultusminister auf, auch unter Pandemiebedingungen für ein „qualitativ gutes und vollwertiges Abitur mit Abschlussprüfungen“ zu sorgen. „Alles, was geht, haben die Schulen und ihre Lehrkräfte bisher unter schwierigen Voraussetzungen umgesetzt: Vollen Präsenzunterricht, Wechselunterricht, Distanzlernen. Jetzt geht es darum, den Unterricht für die Abschlussklassen zu sichern“, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes.

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