https://www.faz.net/-gyl-6vm7k

Karriere im Karitativen : Die Non-Profit-Manager

  • -Aktualisiert am

Essen auf Rädern: Das Weihnachtsmahl wartet auf die Senioren in einem Wohnheim in Berlin-Mitte. Bild: Katja Hoffmann / laif

Sozialmanager wie Martina Philp sorgen dafür, dass soziale Einrichtungen ihr Geld effizient einsetzen und ihre Leistungen optimal an den Mann bringen. Dafür müssen sie die Geschäftszahlen im Blick haben, Meetings absitzen und Mitarbeiter anleiten – und doch unterscheidet sich ihr Job von dem gewöhnlicher Manager.

          4 Min.

          Wenn Martina Philp sich Gedanken ums Geschäft macht, ist sie hellwach und konzentriert – selbst nach einem zweieinhalbstündigen Meeting. So wie heute, im Konferenzraum in der Landesstelle der Malteser Nordrhein-Westfalen, deren Marketing und Vertrieb Philp leitet. Ihr Vertriebsmitarbeiter aus Bonn rutscht ungeduldig auf seinem Stuhl hin und her, sein Kollege aus Aachen versucht, ein Gähnen zu unterdrücken. Aber ihre Vorgesetzte ist beharrlich: Martina Philp diskutiert, wie sich „Essen auf Rädern“ an mehr Kindertagesstätten verkaufen ließe, damit sich das Angebot für die Mal­teser besser rechnet. Denn Sozialmanager wie Martina Philp arbeiten zwar für die „gute Sache“, müssen aber auch kon­sequent managen. Für Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsverbände, Kliniken und sozialen Einrichtungen planen sie neue Angebote, machen Marktanalysen, organisieren Abläufe und führen Mitarbeiter. Vor allem sorgen sie dafür, dass ihr Arbeitgeber Geld einnimmt und es effizient ausgibt. Das ist keine leichte Aufgabe, denn auch um soziale Dienstleistungen gibt es einen harten Wettbewerb
          zwischen den Anbietern: Wer besser und günstiger ist, überzeugt mehr Kunden.

          Sozialmanagement als Studienfach
          Das gilt auch für das „Essen auf Rädern“, für das Philp Abnehmer finden muss, damit es nicht zum Verlustgeschäft wird. Bereits ihr Vokabular outet die 31-Jährige als Business-Frau: Philp spricht von Trade-off, Marge, Fehlkalkulation und Corporate Design. Ihren Chef Oliver Mirring kürzt sie „OM“ ab, gering­fügige Beschäftigte bezeichnet sie als „GFB-Kräfte“, und das Geschäftsfeld Hospizarbeit, Palliativmedizin und Trauerbetreuung nennt sie einfach „Hopatra“.
          Die Abkürzungen haben einen Grund: Philps Zeit ist so knapp, wie ihr Job abwechslungsreich ist. Ein Meeting jagt das nächste, immer wieder klingelt ihr Telefon. Am anderen Ende der Leitung: Frustrierte Kunden, fragende Mitarbeiter, gestresste Pressesprecher. Zwischendurch bespricht sie sich mit ihrem Chef, entwirft Themen für das Kunden-Magazin und zeigt der Aus­zubildenden, wie sie in Excel Statistiken erstellt. Wenn Kürzungen anstehen, überlegt sie, wo sich am besten Geld einsparen ließe. „Um flexibel auf Anfragen reagieren zu können, plane ich nur etwa 60 Prozent meines Arbeitstages fest ein“, sagt Philp.
          Um auch mal in Ruhe arbeiten zu können, fängt Philp morgens eine Stunde vor ihren Kollegen an. Abends bleibt sie oft länger als die anderen. Und selbst wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommt, lässt ihr Job sie nicht los. Vor kurzem ließ sie sich erschöpft auf die Couch fallen und sah dann im Fernsehen, wie ein Sender den Hausnotruf verschiedener Anbieter testete – einen Service, mit dem Senioren über einen kleinen Sender an einer Halskette Hilfe holen können. Die Malteser verloren den Test, weil sie statt eines Rettungs­wagens einen Hausarzt schickten. Wenn Philp von dem Bericht erzählt, flucht sie immer noch.
          Das zeigt, wie verbunden Philp sich den Maltesern fühlt, obwohl sie dort erst seit drei Jahren arbeitet und auf Umwegen zu dem Job kam. Zwar kann man „Sozialmanagement“ heutzutage an einigen wenigen Hochschulen studieren – etwa an der Hochschule Heilbronn (Bachelor) oder Uni Bonn (Master). Philp ließ sich dagegen nach ihrem Abitur erst mal zur Werbekauffrau ausbilden, arbeitete dann kurz für einen Tapetenhersteller, bevor sie anfing, BWL zu studieren. Während ihres Studiums jobbte sie bei den Maltesern. Die stellten sie im Jahr 2008 nach dem Ende ihres Studiums als Assistentin der damaligen Vertriebschefin ein. Ein Jahr später übernahm sie deren Job.

          Sozialmanager arbeiten zwar für die „gute Sache“, müssen aber auch konsequent managen. Bilderstrecke


           

          Weniger Druck als in der freien Wirtschaft

          Als Sozialmanagerin bei den Maltesern fühlt sich die 31-Jährige wohl: „Mit meiner Arbeit trage ich dazu bei, dass es hilfsbedürftigen Menschen bessergeht.“ Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Managerdasein in einem profitorientierten Unternehmen. Außerdem verspüre sie weniger Druck als in der freien Wirtschaft, sagt Philp. Umgekehrt erhält sie allerdings keine Boni, wenn es ihr gelingt, neue Kunden zu gewinnen oder besonders viel zu verkaufen. Ihr macht das nichts aus: Nicht das Geld motiviert sie, sondern der Zweck ihrer Arbeit und der Dank von Dienststellen und Kunden. „Kritik aller Art ist wichtig für uns, denn jede Rückmeldung hilft uns, besser zu werden.“
           

          Der Markt und was er Absolventen bietet
          Sozialmanager sind gefragt: Sie arbeiten heutzutage bei Interessenverbänden, Nichtregierungsorganisationen, Sozial- und Gesundheitsämtern, Trägern der freien Wohlfahrt sowie in kirchlichen Einrichtungen oder Stiftungen. Die meisten kommen in Jugendwohnheimen, Beratungsstellen und in Altenpflegeeinrichtungen unter.
          Lange war das soziale Management allerdings kein klassisches Berufsfeld für Hochschulabsolventen: Viele Heimleiter haben früher selbst in der Pflege gearbeitet und mit betriebswirtschaftlichen Weiterbildungen oder Trainee-Programmen den Aufstieg geschafft. Dank ihrer praktischen Erfahrung fällt es ihnen leicht, sich in die Angestellten und Pflegebedürftigen hineinzuversetzen.
          Wer frisch von der Uni kommt, muss diese Erfahrungen erst einmal sammeln. Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium allein reicht vielen Arbeitgebern nicht aus. Sie bevorzugen Bewerber, die bereits in der Pflege oder in der Sozialarbeit gearbeitet haben. Die besten Karten hat, wer vor dem Studium schon eine Berufsausbildung im sozialen Sektor abgeschlossen hat – etwa als Krankenpfleger.
          Die Mischung aus Erfahrung und Studium hilft Sozialmanagern dabei, den Konflikt zwischen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und menschlichen Bedürfnissen in der sozialen Arbeit zu meistern. Dabei darf nicht immer das Geld im Vordergrund stehen. Das gilt auch für die eigene Bezahlung: Manager in der freien Wirtschaft verdienen meistens bedeutend mehr als Sozialmanager in gemeinnützigen Einrichtungen.


          So arbeiten Sozialmanager
          Sozialmanager tanzen auf vielen Hochzeiten: Sie leiten soziale Einrichtungen und repräsentieren diese nach außen. Sie suchen das Personal aus, erstellen die Dienstpläne und betreuen außerdem ehrenamtliche Helfer. Sie entscheiden, wofür wie viel Geld ausgegeben wird, und müssen dabei mit einem knappen Budget klar­kommen. Jeden Tag stehen Sozialmanager so vor der Herausforderung, finanzielle und menschliche Belange unter einen Hut zu bekommen.
          Sozialmanager geben aber nicht nur Geld aus, oft müssen sie es auch einsammeln. In Nichtregierungs­organisationen oder in der Jugendarbeit ist es ihr Job, Sponsoren, Spender und Partner zu finden, die Projekte unterstützen oder ihrer Einrichtung finanziell unter die Arme greifen. Damit das gelingt, müssen Sozialmanager sich ein Netzwerk aus Geldgebern aufbauen und ihre Arbeit durch Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bekannt machen. Sie müssen also nicht nur routiniert mit Zahlen und Gesetzen umgehen können, sondern auch immer wieder kreativ werden, um auf neue Ideen und Lösungen zu kommen.
          Und schließlich brauchen Sozialmanager eine gewisse Frustrationstoleranz: Viele ihrer Ideen werden sie nie umsetzen können. Gleichzeitig müssen sie sich stets an zwei Maßstäben messen lassen: an der Zufriedenheit ihrer Patienten, Bewohner oder Kunden und an der wirtschaftlichen Lage ihrer Einrichtung.
           

          Topmeldungen

          Verbot von „Combat 18“ : Kein Ruhekissen

          Verbote allein trocknen die Szene der Hitler-Verehrer und militanten Antisemiten nicht aus. Entscheidend ist die geheimdienstliche und polizeiliche Aufklärung ihrer Agitierung nützlicher Idioten.
          Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag in Yad Vashem

          Steinmeier in Yad Vashem : Nie vergessen, die Erinnerung bewahren

          Als erster deutscher Bundespräsident spricht Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem und zeigt sich besorgt über einen wieder aufkeimenden Antisemitismus. Vor allem aber schwebt Putins Schatten über der Veranstaltung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.