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Karriere? Gern später : „Führungskräfte werden teurer“

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Gerhard Kronisch ist Hauptgeschäftsführer des Führungskräfteverbandes in der Chemischen Industrie. Bild: VAA

Jungen Aufstiegskandidaten wird das Privatleben immer wichtiger. Gerhard Kronisch vom Führungskräfteverband der Chemischen Industrie muss mehr Überzeugungsarbeit leisten, vor allem mit hohen Gehältern.

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          Herr Kronisch, wie viel Lust haben junge Leute heute noch auf Karriere?

          Sie haben schon noch Lust, aber nicht mehr auf Karriere um jeden Preis. Bei der Frage „Was ist mir wichtig?“ legen heute viel mehr Leute Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, als das noch vor fünf Jahren der Fall war. Wenn Berufseinsteiger heute ihren Arbeitgeber wählen, dann ist die Frage nach dem Gehalt, die bis vor wenigen Jahren im Vordergrund stand, nicht mehr die einzig entscheidende.

          Das heißt, Geld und Macht haben als Karrieremotiv an Reiz verloren?

          Ja, und im Gegenzug gewinnen Fragen an Bedeutung, die bis vor einigen Jahren keiner zu stellen wagte: Wie sieht es mit der Arbeitszeit aus? Wie viel Urlaub steht mir zu? Gibt es eine betriebliche Altersversorgung? Das beobachten wir mit Erstaunen. Dazu wird die Standortfrage immer wichtiger. Man will dort arbeiten, wo es ein möglichst attraktives Umfeld gibt. Standorte wie Oberhausen oder Bitterfeld haben es da erst mal schwerer als Hamburg oder München.

          Werden Karrierefaktoren wie Mehrarbeit noch in Kauf genommen?

          Das wird zunehmend hinterfragt. Die übliche Laufbahn in der chemischen Industrie sieht so aus, dass Berufseinsteiger erst mal in der Forschung sind. Nach ein paar Jahren stellt sich dann die Frage nach einem Wechsel etwa in die Produktion oder ins Marketing. Da beobachten wir, dass Leute sich eher für die Expertenlaufbahn mit geregelten Arbeitszeiten und vielen Freiheiten entscheiden.

          Wie können Sie dennoch auch künftig Führungskräfte aus den eigenen Reihen gewinnen?

          Die Antwort ist eindeutig: Es wird nur mit den klassischen Anreizsystemen monetärer Art gehen. Wer eine Führungsaufgabe im Marketing eines globalen Konzerns hat, der übt einen 24-Stunden-Beruf aus. Das geht nicht von 9 bis 17 Uhr, und da kann auch kein Arbeitgeber große Freiheiten garantieren. Diese Einschnitte ins Privatleben haben ihren Preis. Führungskräfte aus den eigenen Reihen werden in Zukunft erheblich teurer werden.

          Die Fragen stellte Sven Astheimer.

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