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Jura-Absolventen : Steiler Aufstieg im Heißluftballon

  • -Aktualisiert am

Gut gefüllte Reihen: Viele Hochschulen platzen aus allen Nähten Bild: Klein, Nora

Die großen Anwaltskanzleien versuchen, die besten Jura-Absolventen möglichst früh an sich zu binden - mit allen Mitteln.

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          „Sind Sie ein High Potential mit Ambitionen?“ Die großen Buchstaben auf dem Plakat, das im Aufgang zum Juristischen Seminar der Universität Münster angebracht ist, ziehen die Blicke der Studenten auf sich. „Dann wählen Sie den kürzesten Weg für eine erfolgreiche Karriere!“ Der kürzeste Weg führt laut Plakat über das „Best Graduates Law Game“, das im Internet als „Recruiting Event exklusiv für High Potentials“ beschrieben wird. Fünf renommierte, international tätige Anwaltskanzleien werben mit dieser Kampagne um die besten deutschen Jura-Absolventen. Wer sein Erstes oder Zweites Juristisches Staatsexamen absolviert hat, kann teilnehmen. 10.000 Euro erhält derjenige, der in Einzelinterviews und auf sogenannten Inhouse-Tagen der Kanzleien den besten Eindruck hinterlässt. Daneben winken den Kandidaten Preise wie eine Alpenüberquerung im Heißluftballon oder ein Rennwochenende am Nürburgring mit Testfahrt als Kopilot. Wer einen hochqualifizierten Jungjuristen kennt und diesen zur Teilnahme bewegt, dem winken immerhin noch 1000 Euro.

          Das „Best Graduate Law Game“ wird zwar in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführt, allerdings versuchen führende Anwaltskanzleien qualifizierte Absolventen schon seit geraumer Zeit früh an sich zu binden. Laut Doris-Maria Schuster, Partnerin der Frankfurter Kanzlei Gleiss Lutz, werden Verbindungen schon in den ersten Semestern an den Universitäten unter anderem auf Karrieremessen geknüpft. Zudem finden viele Berufseinsteiger den Weg zu ihrem späteren Arbeitgeber über Praktika oder die Referendarstation vor dem Zweiten Staatsexamen. Die Anwältin schätzt die Quote auf mehr als 50 Prozent. Grund für die frühe Kontaktaufnahme und die gezielte Rekrutierung ist der Mangel an Bewerbern mit den geforderten Qualifikationen. Nach der „Azur 100“-Studie, die regelmäßig die hundert attraktivsten Arbeitgeber für Juristen in Deutschland ermittelt, klafft eine Lücke zwischen geplanten Neueinstellungen und tatsächlichen Neueinsteigern. Von den führenden Großkanzleien in Deutschland erreichten 2010 nur die Wirtschaftsrechtskanzleien Freshfields und CMS Hasche Sigle ihre selbstgesteckten Ziele, während andere wie Hengeler Mueller, Linklaters, Gleiss Lutz, Hogan Lovells und Clifford Chance die Stellen nicht wie gewünscht besetzen konnten.

          Nicht ohne „Doppelprädikat“

          Dass die Sozietäten nicht genügend Nachwuchs finden, erklärt sich zum einen aus den hohen Anforderungen an die gesuchten Kandidaten. Als formales Kriterium verlangen die Kanzleien das „Doppelprädikat“, das bedeutet die Jungjuristen müssen in der Regel ihr Erstes und Zweites Staatsexamen mit mindestens neun Punkten („vollbefriedigend“) abgeschlossen haben. Dazu wirken sich ein ausländischer Master of Laws (LL.M.) und eine Doktorarbeit positiv auf Bewerbung und Bezahlung aus. Außerdem betonen die Kanzleien, dass ihnen die Persönlichkeit der Kandidaten wichtig ist, die möglichst durch Studienortswechsel, Auslandsaufenthalte oder Aktivitäten außerhalb des Studiums geprägt worden sein sollte.

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