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Brief einer Schülerin : Liebe Romantik!

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Und jetzt schwafele ich hier über all das, was aus der Romantik heute noch da ist, wenn es doch so viel interessanter ist, sich anzuschauen, was wir alles aus der Romantik verloren haben: die Nacht als Faszination, Utopie und last, but certainly not least, die für immer vergangenen Jahre zwischen 1795 und 1848. Was für ein tragischer Verlust :‘(

Die Hälfte, mehr oder weniger, unseres Lebens verbringen wir in nächtlicher Zeit. Und doch ist die Nacht ein Zeichen des Bösen. Sie riecht nach Tod und Verderben. Welcher Horrorfilm benutzt denn nicht das ultimative Klischee von einem jungen Mädchen, das des Nachts durch den Wald wandert und dann auf irgendeine Art und Weise zerfleischt, zerfetzt und/oder zermalmt wird? Aber wäre es nicht so viel schöner, wenn wir der Nacht wieder mit einer gewissen Faszination, aber natürlich auch mit Respekt begegnen? Die Nacht ist die Zeit der allgemein beliebten Glühwürmchen und die Zeit des Mondes, dessen Licht so viel schöner ist als das der Sonne, die Zeit der magischen und mysteriösen Sterne, die in so unendlicher Zahl am Himmel funkeln.

Wagt den Einstieg über Glühwürmchen!

„Des Glaubens Höhen sind nun demolieret/Und auf der flachen Erde schreitet der Verstand/Und misset alles aus, nach Klafter und nach Schuhen.“ (Karoline von Günderrode,). Die Sehnsucht nach neuen Wegen –  zertreten von den erbarmungslosen Stiefeln des Verstands und der Logik - artikuliert sich aufs Neue: „Wo seid ihr, die ihr Lust am Planen und Träumen habt?“ fragt Simon Strauß in seinem Buch „Sieben Nächte“, das uns unsere Lehrerin nach einer kleinen Vorlesestunde empfohlen hat. Strauß scheint mir ein Romantiker zu sein, der das misfortune hat, im falschen Jahrhundert geboren zu sein. Natürlich will ich mir nicht anmaßen, eine der wenigen Träumer/innen zu sein, aber manchmal, manchmal werde ich nachdenklich und größenwahnsinnig und frage mich, ob andere auch träumen wie ich, denn - „sie wissen ja nichts von meinen Gedanken, diese Hunde, sonst würden sie sich zurückhalten und andächtig die Pfoten falten unter mir.“ Meine Träume handeln von Worten, von Worten, die sich zusammenfügen und Menschen bewegen.

Was, liebe Romantik, will ich Dir noch sagen? Vielleicht, dass Du es eigentlich nicht verdient hast, im Deutschunterricht behandelt zu werden, ich meine, durchgekaut und trotzdem irgendwie gar nicht verstanden zu werden.

Was also tun? Sich nur zu beschweren bringt ja nichts, Lösungsvorschläge müssen auch sein. Um dich zu verstehen, besser noch, um mit dir fühlen zu können, müssen wir Schüler etwas Lebendiges angeboten bekommen. Und nein, da reicht nicht ein gefühlvoller, vielleicht sogar moderner Text, der die Romantik näherbringen soll, denn, so sehr es mich schmerzt, das sagen zu müssen, die meisten Schüler wollen am liebsten so wenig wie möglich lesen, besonders in der Schule. Stattdessen muss der moderne Ansatz über Aktuelles laufen – vielleicht die Frage, ob es uns ins Ausland zieht oder ob wir uns nach etwas oder jemandem sehnen; vielleicht ein aktueller kitschiger Popsong. Oder wagt den Einstieg über Glühwürmchen! Hauptsache originell. Und dann, um ganz in die Romantik einzutauchen, könnten wir aufgefordert werden, uns zu überlegen, wie unser Leben damals ausgesehen hätte, im Bezug auf alltägliche Dinge wie Familie, Bildung, die Frage, wie schnell man wegen seiner Homosexualität im Gefängnis landet, Kleidung etc.

Bei der Behandlung von Gedichten kann man sich auch nicht immer nur auf die Analyse von Stilmitteln beschränken, stattdessen sollte man nach den Emotionen fragen oder besser noch, in welcher Situation wir uns diese Emotionen vorstellen können. Und damit ergibt sich schon eine unendliche Weite von kreativen Aufgaben, von eigenen Geschichten über kurze Szenen bis hin zu Filmen, Musikvideos und was weiß ich noch alles. Diese Weite wird auch schon von Lehrer/innen ausprobiert, aber deutlich zu vorsichtig. Statt einfach nur nach einem Dialog zu einem Gedicht zu fragen, könnte man etwa auch die eröffnende Szene einer Komödie verlangen.

Die Schüler/innen wollen gefordert werden, auch in kreativer Hinsicht. Mit Freiraum und der Aufforderung, outside the box zu denken, können erstaunliche Ergebnisse zustande kommen. Das Einzige, was dann noch zu tun bleibt, ist, diese Ergebnisse auch entsprechend zu würdigen.

Also auf Dich, Romantik! Auf ein besseres Verhältnis zu Schülern und der Welt im Allgemeinen!

Erstaunlicherweise hochachtungsvoll,

Teresa

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