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Nachwuchs gesucht : Irgendwas mit Medien

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Kommunizieren und am Puls der Zeit sein: Blick in den Newsroom der BBC Bild: Visum

Die Bewerberzahlen bei den journalistischen Ausbildungsstellen gehen zurück. Gleichzeitig hat der Nachwuchs Schwierigkeiten, einen Volontariatsplatz zu bekommen. Wie passt das zusammen?

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          Man muss wohl sagen, wie es ist: Als Berufsziel für junge Studienabsolventen scheint Journalismus an Attraktivität zu verlieren. Das glaubt jedenfalls Ulric Papendick, Direktor der Kölner Journalistenschule: Zwar seien die Bewerberzahlen in Köln recht stabil, einen leichten Rückgang gebe es aber. Auch andere journalistische Ausbildungsstätten berichten seit Jahren von sinkenden Bewerberzahlen. Tanjev Schultz vom Journalistischen Seminar der Uni Mainz stellt fest, dass verglichen mit früheren Jahrzehnten zum Beispiel viele Publizistik-Studierende eher in die PR streben. Und der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, Hendrik Zörner, erzählt: „Wo sich früher 30 Leute auf eine Volontariatsstelle beworben haben, sind es jetzt eher fünf bis acht.“

          Die Probleme sind schnell auszumachen: Das eine ist das Geld, das andere ist das Wissen – über die Branche und ihre Zu­gänglichkeit. Und die Demographie tut das Übrige. Diese Schwierigkeiten treiben den Journalismus zunehmend in eine Lage, in der guter Nachwuchs knapp wird.

          „Gerade jungen Menschen, die nicht aus privilegierten Verhältnissen kommen, fehlt das Wissen, wie sie bei dem Einstieg vorgehen müssen“, sagt Nil Idil Cakmak. Sie ist Podcasterin und multimediale Journalistin beim NDR und Mitglied im Vorstand der „Neuen deutschen Medienmacher*innen“. Der Verein setzt sich für mehr Vielfalt in der deutschen Medienlandschaft ein. Dazu gehört Cakmak zufolge auch, nicht nur eine bestimmte Bildungsschicht einzustellen. „Es fehlen Perspektiven und es gehen Themen verloren, wenn Redaktionen nicht divers sind“, sagt sie.

          Auch Mihanta Fiedrich erzählt, Journalismus sei ihr lange nicht als Berufsziel in den Sinn gekommen. Sie ist 20 Jahre alt und schreibt auf ihrem Blog über Musik und Konzerte. „Wenn ich an Journalismus gedacht habe, habe ich mich als junge Frau mit Migrationshintergrund nie repräsentiert gefühlt“, erzählt Fiedrich auf dem Weg zu einem Drehtermin im Hochsauerland. Sie ist eine von 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Enter Journalism Seminars“, das Studierenden den Einstieg in die Branche erleichtern soll. An diesem Sonntag sammelt Mihanta Fiedrich Material für einen kurzen Fernsehbeitrag – eine von mehreren Aufgaben.

          Das Vorurteil vom brotlosen Geschäft

          Zehn Tage lang bekommen sie und 13 weitere an Journalismus interessierte junge Menschen einen Intensivkurs in Sachen journalistisches Arbeiten: Schreiben, Radio, Fernsehen, Recherche, Verifikation, Autorisierung. Sie alle ha­ben wenig bis keine Erfahrung im Journalismus, hier können sie ihre ersten Schritte in der Branche machen. Cakmak rät jungen Nachwuchsjournalisten zu solchen Veranstaltungen, um sich zu vernetzen. Auch die Unizeitung könne helfen, erste Erfahrungen zu sammeln.

          Es ist nicht nur so, dass Wissen über den Einstieg in den Journalismus fehlt. Außerhalb der Branche hält sich weiter hartnäckig das Narrativ, Journalismus sei ein brotloses Geschäft. Tatsächlich verdienen die meisten Journalisten in Festanstellung aber vergleichsweise gut, sagt DJV-Sprecher Zörner. Natürlich gebe es auch im Journalismus diejenigen, die für ihre Arbeit nicht ausreichend vergütet werden und unter prekären Umständen leben – das betreffe hauptsächlich freie Autoren –, aber insgesamt gehe es Journalisten nicht schlecht.

          Doch gerade Akademiker können – je nach Fach – andernorts zuweilen mehr Geld verdienen, erklärt Zörner. Fehle die emotionale Begeisterung für den Beruf, überwögen manchmal eben doch die finanziellen Interessen. Hinzu kommt: Der Weg zu einer gut bezahlten Festanstellung im Journalismus ist häufig aufwendig und mit schlecht oder gar nicht bezahlten Praktika gepflastert.

          Unbezahlte Praktika

          „In München konnte ich bei Bekannten unterkommen und musste keine Miete bezahlen. In Berlin habe ich neben dem Praktikum noch gekellnert“, erzählt Valentin Brückner von seinen Praktikumserfahrungen. Ein Gehalt oder eine Aufwandsentschädigung gab es für keine seiner Hospitanzen.

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