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Journal of Controversial Ideas : Gegen die Mächte der Gegenaufklärung

  • -Aktualisiert am

Der Philosoph Peter Singer ist Mitherausgeber des „Journal of Controversial Ideas“ – Szene aus dem Film „Examined Life“ Bild: Picture-Alliance/Zeitgeist Films/Courtesy Everett Collection

Das neue „Journal of Controversial Ideas“ kämpft gegen die Einschränkung der Redefreiheit und den wachsenden Moralismus in der Wissenschaft – mit anonymen Beiträgen.

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          Empörte Proteste, Störaktionen, abgesagte Veranstaltungen – als der australische Philosoph Peter Singer 1989 durch die Bundesrepublik reiste, schlug ihm an den Universitäten massive Ablehnung entgegen. Singers These, dass Euthanasie unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sei, hielten viele für unerträglich. Schon die bloße Diskussion darüber erschien ihnen als ethischer Dammbruch, der unbedingt zu verhindern war. Für Kontroversen sorgt Peter Singer, mittlerweile Professor an der Universität von Princeton, mit seinen philosophischen Positionen bis heute.

          Da passt es, dass er Mitgründer einer neuen Online-Zeitschrift ist, die den Meinungsstreit schon im Namen führt: Es ist das Journal of Controversial Ideas, das kürzlich seine Website freigeschaltet hat und nun Wissenschaftler aus allen Disziplinen auffordert, Aufsätze einzureichen. Gewünscht sind Autoren, die sich ihren Blick auf gesellschaftlich umstrittene Themen nicht von moralischen, religiösen oder ideologischen Dogmen und Tabus verstellen lassen. Gelten sollen nur die Standards rationaler Argumentation und das Ziel wissenschaftlicher Erkenntnis. Wie in akademischen Zeitschriften üblich muss ein Text vor seiner Publikation von Fachgutachtern akzeptiert werden. Die erste Ausgabe soll in den nächsten Monaten erscheinen.

          Der Begriff der politischen Korrektheit taucht in den betont zurückhaltend formulierten Publikationsgrundsätzen des Journals nicht auf, aber es ist klar, dass die Zeitschrift vor allem als Schutzraum gegenüber den Angriffen und Tabuisierungen solcher Diskurswächter gedacht ist. Wer befürchtet, dass ihm sein Nonkonformismus schaden könnte, kann seinen Aufsatz unter Pseudonym veröffentlichen. Dahinter stehen Erfahrungen mit einem akademischen Klima, in dem die Freiheit von Forschung, Lehre und Diskussion immer stärker unter den Druck von Gender- und Identitätsideologen gerät. Wer sich dagegenstellt, muss mit Anfeindungen, Drohungen und beruflichen Nachteilen rechnen.

          Kritik von Linksaktivisten

          Ausdrücklich ermutigt werden aber auch Autoren außerhalb der westlichen Welt, die in ihren Ländern Repressionen fürchten müssen. Wissenschaftler aus islamistisch beherrschten Staaten, aber auch aus China oder Russland dürften sich angesprochen fühlen. Pseudonyme, so die Hoffnung der Herausgeber, schützen nicht nur die Verfasser. Sie könnten auch helfen, die Diskussionen von der persönlichen auf die sachliche Ebene zu verlagern.

          Peter Singers Herausgeberkollegen sind Jeff McMahan von der Universität Oxford und Francesca Minerva von der Universität Warwick, beide ebenfalls Philosophen. Die Idee zu der Zeitschrift kam Francesca Minerva, als sie mit der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit ihre eigenen Erfahrungen machen musste. Sie hatte nach der Veröffentlichung eines Aufsatzes im „Journal of Medical Ethics“ Morddrohungen erhalten. Dort hatte sie die Auffassung vertreten, dass in all den Fällen, in denen eine Abtreibung zulässig ist, konsequenterweise auch die Tötung eines Neugeborenen erlaubt sein sollte.

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