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Jodelstudium in der Schweiz : Von wegen Holleri-di-dudl-jö!

Bild: FAZ.NET

Kein Witz: In der Schweiz gibt es das erste Jodelstudium. Und siehe da – es ist ganz anders als in Loriots berühmtem Sketch. Ein Besuch.

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          Fünf Frauen betreten die improvisierte Bühne der „Jazzkantine“ in Luzern. Sie wiegen die Oberkörper nach links und nach rechts und stampfen mit den Füßen auf den Holzboden. Und dann singen sie. Nichts, was man versteht. Kein Text, nur Silben in herzzerreißenden Tönen, hoch und tief, versetzt, überlappend, in jedem Fall: zum Zerfließen schön. Das kurze Stück ist ein Jützli. So nennen die Innerschweizer einen Naturjodel, also ein Jodellied ohne Text. Kaum sind die glockenhellen Stimmen verstummt, ergreift die Frau in der Mitte des kleinen Chors das Wort: „Das Stubete ist eröffnet!“, ruft Nadja Räss dem buntgemischten Publikum in der Kneipe im Herzen der Altstadt entgegen und erntet donnernden Applaus.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Ein „Stubete“ ist eine Jamsession für Volksmusik. Diese findet einmal im Monat in der „Jazzkantine“ statt, die praktischerweise genau in dem Gebäude ihren Platz hat, aus dem die Musiker kommen: der Musikfakultät der Hochschule Luzern. Dort arbeitet Nadja Räss als Dozentin für Jodel. Die Mitsänger an diesem Gratis-Konzertabend sind ihre Studenten. Jodeln als Studienfach? Ja, das gibt es seit Beginn dieses Wintersemesters in Luzern – und sonst nirgends auf der Welt. Das Jodeln steht jetzt gleichberechtigt neben Hauptfächern wie Klarinette, Klavier, Kontrabass, Hackbrett, Schwyzerörgeli (Akkordeon) und Handorgel, die man in der Abteilung Volksmusik studieren kann. Luzern hat die einzige Hochschule in der Schweiz, die Volksmusiker ausbildet. Und das Fach Jodeln – einst aufgespießt in einem Sketch von Loriot – ist in der Realität angekommen.

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