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Der Bewerbungscoach : „Was antworte ich auf die Frage nach Stärken und Schwächen?“

  • Aktualisiert am

Bild: Sylvia Wolf

Herr Mai, in Bewerbungsgesprächen wird oft die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen gestellt. Wie gibt man darauf die richtige Antwort?

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          Es gibt nicht die eine richtige Antwort, aber viele falsche. Falsch wäre zum Beispiel, irgendwelche Schwächen zu nennen, die eigentlich keine sind – so etwas wie „Ich arbeite zu viel“ oder „Ich neige zu Perfektionismus“. Solche, teils auswendig gelernten Phrasen, wie sie manche Ratgeber leider immer noch empfehlen, gehen immer nach hinten los. Personaler kennen diese Antworten, haben sie zigmal gehört und glauben kein Wort davon.

          Letztlich geht es bei dem Bewerbungsgespräch doch um die Persönlichkeit des Kandidaten, seine Arbeitsweise und Kompetenzen. Entsprechend kann es auf solche Fragen nie die eine pauschal richtige Antwort geben, sondern immer nur ganz individuelle Antworten, die für jedes Unternehmen und jede Stelle anders lauten.

          Bei den Stärken (bei den Schwächen aber auch) ist wichtig, dass sie der Wahrheit entsprechen – also „authentisch“ sind. Damit kommt man am weitesten. Sie sollten für die Position, auf die man sich bewirbt, passen. Wer sich etwa  als Journalist bewirbt, sollte unbedingt Neugier und Sorgfalt mitbringen. Von einem Vertriebler würde man Kommunikationsstärke erwarten, von einem Einkäufer Durchsetzungsstärke. Mit Stärken, die nicht relevant sind, kann niemand punkten. Deshalb: Vorher genau überlegen, welche man besitzt, und diese dann am besten durch Beispiele, Anekdoten und Erfolge belegen.

          Für Schwächen gilt: mutig sein und ruhig ein bis zwei echte Schwächen zugeben. Diverse Studien zeigen, dass Bewerber, die ihre Schwächen wahrheitsgemäß offenbarten (und nicht bloß positiv formulierten), ihre Chancen auf den Job um das Fünffache steigerten. Glaubwürdigkeit gewinnt – nicht zuletzt weil es eine Stärke ist, zu seinen Schwächen zu stehen und damit konstruktiv umzugehen. Genau das ist oft die zweite Frage, die Personaler dann stellen: „Wie gehen Sie mit diesen Schwächen um?“ Wer hier (Selbst-)Bewusstsein beweist und auch noch zeigt, wie er an sich arbeitet, wirkt viel überzeugender als jemand mit zu viel Profilschminke.

          Jochen Mai ist Karriereberater, Autor zahl­reicher Bücher sowie Gründer und Chefredakteur der Karriereplattform karrierebibel.de. Im Hochschulanzeiger nimmt er sich in jeder Ausgabe einer Bewerbungsfrage an.

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