https://www.faz.net/-gyl-997ja

Der Bewerbungscoach : „Was antworte ich auf die Frage nach Stärken und Schwächen?“

  • Aktualisiert am

Bild: Sylvia Wolf

Herr Mai, in Bewerbungsgesprächen wird oft die Frage nach den eigenen Stärken und Schwächen gestellt. Wie gibt man darauf die richtige Antwort?

          1 Min.

          Es gibt nicht die eine richtige Antwort, aber viele falsche. Falsch wäre zum Beispiel, irgendwelche Schwächen zu nennen, die eigentlich keine sind – so etwas wie „Ich arbeite zu viel“ oder „Ich neige zu Perfektionismus“. Solche, teils auswendig gelernten Phrasen, wie sie manche Ratgeber leider immer noch empfehlen, gehen immer nach hinten los. Personaler kennen diese Antworten, haben sie zigmal gehört und glauben kein Wort davon.

          Letztlich geht es bei dem Bewerbungsgespräch doch um die Persönlichkeit des Kandidaten, seine Arbeitsweise und Kompetenzen. Entsprechend kann es auf solche Fragen nie die eine pauschal richtige Antwort geben, sondern immer nur ganz individuelle Antworten, die für jedes Unternehmen und jede Stelle anders lauten.

          Bei den Stärken (bei den Schwächen aber auch) ist wichtig, dass sie der Wahrheit entsprechen – also „authentisch“ sind. Damit kommt man am weitesten. Sie sollten für die Position, auf die man sich bewirbt, passen. Wer sich etwa  als Journalist bewirbt, sollte unbedingt Neugier und Sorgfalt mitbringen. Von einem Vertriebler würde man Kommunikationsstärke erwarten, von einem Einkäufer Durchsetzungsstärke. Mit Stärken, die nicht relevant sind, kann niemand punkten. Deshalb: Vorher genau überlegen, welche man besitzt, und diese dann am besten durch Beispiele, Anekdoten und Erfolge belegen.

          Für Schwächen gilt: mutig sein und ruhig ein bis zwei echte Schwächen zugeben. Diverse Studien zeigen, dass Bewerber, die ihre Schwächen wahrheitsgemäß offenbarten (und nicht bloß positiv formulierten), ihre Chancen auf den Job um das Fünffache steigerten. Glaubwürdigkeit gewinnt – nicht zuletzt weil es eine Stärke ist, zu seinen Schwächen zu stehen und damit konstruktiv umzugehen. Genau das ist oft die zweite Frage, die Personaler dann stellen: „Wie gehen Sie mit diesen Schwächen um?“ Wer hier (Selbst-)Bewusstsein beweist und auch noch zeigt, wie er an sich arbeitet, wirkt viel überzeugender als jemand mit zu viel Profilschminke.

          Jochen Mai ist Karriereberater, Autor zahl­reicher Bücher sowie Gründer und Chefredakteur der Karriereplattform karrierebibel.de. Im Hochschulanzeiger nimmt er sich in jeder Ausgabe einer Bewerbungsfrage an.

          Hast du eine Frage zum Thema Bewerbung?
          Dann richte sie an den Bewerbungscoach unter redaktion@hochschulanzeiger.de.

          Weitere Themen

          Nasa startet Mars-Mission Video-Seite öffnen

          Livestream : Nasa startet Mars-Mission

          Ein neuer Nasa-Rover soll auf dem Mars nach Spuren von Organismen suchen. Die Untersuchung wird damit auch einige Relevanz für die allgemeinere Frage nach Leben im All besitzen. Verfolgen Sie hier den Start des Mars-Rovers im Livestream.

          Topmeldungen

          Macrons Besuch im Libanon : Von Reue fehlt bislang jede Spur

          In Beirut wird Emmanuel Macron wie ein Heilsbringer empfangen. Frankreichs Präsident verspricht Hilfe – und mahnt Reformen an. Doch nichts deutet darauf hin, dass in der Politik des Libanon eine neue Ära beginnt. Am Abend werden 16 Hafenmitarbeiter festgenommen.

          Wirtschaftswunder Weiden : Von der Zonengrenze zu „Star Wars“

          Weiden galt lange als Oberzentrum einer strukturschwachen Region. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Oberpfalz nicht mehr „Zonenrandgebiet“. Mit Corona und Donald Trumps Abzugsplänen droht nun aber neues Ungemach.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.