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Sonderzahlung : Bares für die Urlaubskasse

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Mehr als eine Handvoll Euro springen für viele Arbeitnehmer zur Urlaubszeit raus Bild: ZB

Viele Arbeitnehmer erhalten in diesen Tagen Urlaubsgeld. Doch die Unterschiede zwischen Branchen sind groß. Auch Gehalt und Betriebsgröße sind entscheidend.

          2 Min.

          In wenigen Tagen beginnen in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg und Hamburg die Sommerferien. Im Laufe des Juli folgen die restlichen Bundesländer. Fast jeder zweite Arbeitnehmer darf sich darüber freuen, dass seine Urlaubskasse durch eine Sonderauszahlung aufgefüllt wird. Denn laut einer aktuellen Erhebung erhalten rund 45 Prozent der Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber ein Urlaubsgeld. Das geht aus einer Umfrage der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung hervor, an der gut 11 200 Arbeitnehmer teilgenommen haben.

          Urlaubsgeld ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, auf die kein gesetzlicher Anspruch besteht. Häufig sind entsprechende Regelungen in Tarifverträgen enthalten. Laut Umfrage erhalten Mitarbeiter in tarifgebundenen Unternehmen in 60 Prozent der Fälle Urlaubsgeld, in nicht tarifgebunden sind es lediglich 33 Prozent. Die Höhe der tariflich vereinbarten Geldleistungen variiert jedoch erheblich. Je nach Branche und Tarifvertrag können es zwischen 155 und 2204 Euro sein.

          Jeder zweite Gutverdiener profitiert

          Daneben gibt es weitere Unterschiede: Während jeder zweite männliche Beschäftigte in den Genuss der Einmalzahlung kommt, liegt der Wert für Frauen mit 38 Prozent deutlich darunter. Auch kommt westdeutsches Personal (48 Prozent) viel öfter in den Genuss als ostdeutsches (32 Prozent). Ebenso übt die Größe des Unternehmens einen erheblichen Einfluss aus: Während in Einheiten mit mehr als 500 Mitarbeitern zu 56 Prozent Urlaubsgeld gezahlt wird, gilt das nur für rund jeden dritten Kleinbetrieb.

          Aus Sicht der Beschäftigten steigt die Wahrscheinlichkeit auf Urlaubsgeld mit der Höhe des monatlichen Einkommens. Während unter Geringverdienern mit einem Monatssalär von weniger als 1000 Euro nur etwa jeder Vierte zu den Beziehern zählt, gilt dies unter den Gutverdienern (5000 bis 6000 Euro) schon für jeden Zweiten.

          Recht auf „Betriebliche Übung“?

          Gegenüber dem Vorjahr hat sich den Angaben der Stiftung zufolge das Urlaubsgeld in acht untersuchten Branchen aufgrund von Tarifabschlüssen erhöht. In anderen stagnierte die Höhe, entweder weil es keine Tarifrunden gab oder weil die Summe als Festbetrag vereinbart worden ist. Daneben gebe es Regelungen wie im öffentlichen Dienst oder in der Stahlindustrie, wo Urlaubs- und Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst werden.

          Auch wenn Arbeitgeber das Urlaubsgeld auf rein freiwilliger Basis zahlen, kann aus einer gewissen Gewohnheit nach einigen Jahren ein rechtlicher Anspruch erwachsen. Darauf weist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hin. Dann wird aus einem großzügigen und unverbindlichen Geschenk eine „betriebliche Übung“, die Unternehmen nicht einfach so einstellen können, wenn sie es sich anders überlegen. Das gilt selbst dann, wenn sie eigentlich gute Gründe dafür haben, Geld zu sparen, etwa weil das geschäftliche Umfeld gerade sehr schwierig ist.

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