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Kolumne „Nine to five“ : Ist Sitzen doch nicht das neue Rauchen?

Quäl-dich-Modus der Heimarbeit: der hohenverstellbare Schreibtisch Bild: Picture-Alliance

Seien wir ehrlich: Ein Stehschreibtisch ist eine Tortur. Und anscheinend reicht er nicht mal, um gesund durchs Büroleben zu kommen.

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          Diese Glosse ist ein guter Ort, um etwas klarzustellen: Wer gerne an einem Stehschreibtisch arbeitet, ist nicht normal. Der fährt in seinen spärlich gesäten Urlauben auch bei Fahrradreisen mit, die sich „Quäl dich“ nennen, und trägt auf Partys Barfußschuhe, um die Fußmuskulatur zu trainieren. Stehschreibtische sind eine Tortur, wenn man sie nutzt. Und man muss ja. Auch wenn Forscher  inzwischen herausgefunden haben, dass Sitzen zwar ungesund ist, aber doch nicht das neue Rauchen – tatsächlich ist Rauchen tödlicher –, außerdem ist Sitzen „weder eine Sucht noch eine Gefahr für andere“, stellte Terry Boyle von der Uni­versity of South Australia fest. Er ist Co-Autor der im American Journal of Public Health erschienenen ­Studie „Is Sitting Really the New ­Smoking?“.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es wird trotzdem nicht nur einen machtpolitischen Grund haben, dass Sebastian Kurz, Steffen Seibert und die gesamte Hamburger Finanzbehörde schon mindestens seit 2013 an Stehschreibtischen arbeiten. Wenigstens ein Viertel der Arbeitszeit, empfehlen Ärzte, solle man stehend verbringen. Und die restlichen drei Viertel bloß nicht nur sitzend, mahnt der Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft.

          Und wenn wir dann doch sitzen, bitte wenigstens auf verschiedenen Untersätzen: unterschiedlichen Schreibtischstühlen, normalen Stühlen oder auch mal auf dem Gymnastikball. Man stellt sich die Geschäftsstelle der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft in Buchholz in der Nordheide vor mit zwei Sekretärinnen, einem Dutzend leerer Stühle und einem Gymnastikball. „Da ich nicht mehr rauche, versuche ich auch weniger zu sitzen“, sagt eine Kollegin. Aber mit dem Rauchen aufzuhören ist ihr deutlich leichter gefallen, als mit dem Stehen zu beginnen. Auch wenn es muss.

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