https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/ist-das-corona-abi-ein-abschluss-zweiter-klasse-17719676.html

Corona-Abschluss : Haben wir ein Abitur zweiter Klasse?

  • -Aktualisiert am

Studierende in einer Vorlesung des Jahres 2018. Viele der jüngeren Jahrgänge kennen diese Form der Lehre nur mit Maske. Bild: dpa

Seit das Coronavirus entdeckt wurde, haben zwei Jahrgänge ihren Schulabschluss gemacht und zu studieren begonnen. Wie kommen sie zurecht als Distanz-Erstis? Und was sagen Dozenten und Berater zum Corona-Abi?

          9 Min.

          Die, die 2020 Abi gemacht haben, mussten während der ersten Infektionswelle Prüfungen schreiben, Abschlussbälle absagen und ihre Pläne für die Zeit nach der Schule auf unbestimmte Zeit verschieben. Statt ins Ausland zu gehen oder auszuziehen, blieben viele erst mal daheim. Ihre Hörsäle sahen sie oft erst im dritten Semester zum ersten Mal.

          Die, die im vergangenen Jahr Abitur gemacht haben, mussten lernen zu funktionieren und durchzuhalten. Die Abidurchschnitte 2021 waren in vielen Bundesländern dann sogar besser als in den Vorjahren. Die einen meinen, das läge an den vielen Sonderregelungen. Einem Anheben des Notenschnitts oder mehr Auswahlmöglichkeiten in den Prüfungen zum Beispiel. Die anderen argumentieren, dass die Abiturienten und Abiturientinnen durch die Einschränkungen fokussierter hätten lernen können. Haben die Studierenden nun Wissenslücken, oder sind sie strukturierter als ihre Vorgänger? Und wie hat sich das „Corona-Abi“ auf den Studieneinstieg ausgewirkt? Ein Dozent, ein Psychotherapeut und drei Studierende berichten von ihren Erfahrungen:

          „Wir haben gelernt zu funktionieren“

          Leona Heidenreich, 19 Jahre alt, studiert Grundschullehramt an der Uni Bamberg, Abitur 2021

          „Ich habe letztes Jahr mein Abitur in Bayern gemacht. Das heißt, in der 11. Klasse bin ich im ersten Halbjahr noch normal in die Schule gegangen, die letzten drei Halbjahre waren dann von Corona geprägt. Ab da war sehr viel Eigeninitiative verlangt. Es war sehr schwierig, sich jeden Tag allein zu Hause zu motivieren. Bei mir hat es rückblickend gut funktioniert, weil ich extrem organisiert rangegangen bin. Das war aber nicht bei allen so. Und auch wenn ich ein gutes Abitur gemacht habe, waren diese ständige Unsicherheit und Einsamkeit auch sehr belastend.

          Leona Heidenreich studiert inzwischen Grundschullehramt an der Uni Bamberg.
          Leona Heidenreich studiert inzwischen Grundschullehramt an der Uni Bamberg. : Bild: privat

          Die Erfahrungen aus dem „Corona-Abi“ helfen mir jetzt im Studium. Zu Beginn waren noch einige Veranstaltungen in Präsenz. Mittlerweile ist alles online, was ich sehr traurig finde, aber da ich schon in der Schulzeit gelernt habe, mich selbständig zu organisieren und zu motivieren, komme ich bezüglich des Lernstoffs ganz gut klar. Schwierig ist, dass ich an der Uni quasi niemanden kenne – anders als vorher in der Schule. Im Studium habe ich bislang nur zwei, drei Kommilitoninnen kennengelernt. Der Spaß und das soziale Leben fehlen. Ich arbeite jeden Tag meine Aufgaben ab und mache abgesehen davon nicht viel. Ich habe auch aufgehört, mich über die Situation aufzuregen oder das zu hinterfragen. Durch das „Corona-Abi“ haben viele von uns gelernt zu funktionieren.

          Für mehr Anerkennung aufgrund der Sondersituation

          Ich studiere Grundschullehramt mit dem Hauptfach Deutsch und Nebenfach Mathe. Ich merke, dass in den letzten zwei Schuljahren schon einige Lücken entstanden sind, weil der Stoff gekürzt wurde und manche Themen und Klausuren weggefallen sind. Ich versuche daher jetzt, das Beste daraus zu machen und alles noch mal zu wiederholen.

          Weitere Themen

          Was bekommen wir für Ärzte?

          FAZ Plus Artikel: : Was bekommen wir für Ärzte?

          Die Pandemie hat immense Auswirkungen auf die Ausbildung zukünftiger Mediziner. Ein Assistenzarzt und eine Medizinstudentin erzählen, wie das Virus dazu geführt hat, dass sie weniger lernen. Und welche Sorgen sie sich um die Gesundheitsversorgung in Deutschland machen.

          Topmeldungen

          Ein älterer Herr mit Stock geht im Sonnenschein ruhigen Schrittes die Offenbacher Fußgängerzone entlang.

          Späterer Renteneintritt : „Eine gefühllose Entgleisung“

          Ein von Ökonomen geforderter späterer Renteneintritt im Kampf gegen die Inflation stößt auf scharfe Kritik. SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert spricht von „feuchten neoliberalen Träumen“. Der DGB nennt den Vorschlag eine „mutlose Leistungskürzung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden
          Zertifikate
          Alle exklusiven Zertifikate im Überblick
          Englischkurs
          Lernen Sie Englisch