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Investmentbanker : Weniger Bonus, mehr fix

  • Aktualisiert am

London: Der Porsche muss warten Bild: dpa

Die Wut der Menschen auf die Finanzelite macht sich vor allem an den hohen Gehältern fest. Nach drei Jahren Krise verdienen Investmentbanker trotz Einbußen noch immer horrende Summen. Ein Streifzug durch die Finanzwelt.

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          Stille „Masters of the Universe“ in London

          Um die „Masters of the Universe“ der Londoner City ist es ruhiger geworden. Das Investmentbanking liefert dieses Jahr nur mittelmäßige Ergebnisse: Marktteilnehmern ist es zu riskant, Übernahmen zu lancieren, Börseneinführungen zu planen, und so leidet das Geschäft. Die künftig schärferen Eigenkapitalanforderungen haben viele Investmentbanken zudem dazu veranlasst, ehemals lukrative Geschäftsfelder wie den Eigenhandel aufzugeben. Die Mitarbeiter in der Londoner City spüren dies: Für das laufende Jahr werden die Bonuszahlungen mit 4,2 Milliarden Pfund voraussichtlich um 38 Prozent niedriger ausfallen als im Jahr zuvor. Dies hat das Centre for Economics and Business Research errechnet. Kurz vor der Finanzkrise wurden noch 11,6 Milliarden Pfund ausgezahlt. Die Jahre, in denen nach den Bonuszahlungen Banker in der Mittagspause ihre Antragsformulare für den nächsten Porsche ausfüllten, sind vorbei. Die Stimmung ist mau: Allein in diesem Jahr werden in der Londoner City 27.000 Stellen gestrichen. Es ist ein stetiger Stellenabbau im Investmentbanking, mit dem die Banken ihre Kapazitäten und vor allem Kosten senken.

          Die europäischen Anforderungen für Bonuszahlungen wurden schon für das Jahr 2010 umgesetzt. Sie besagen, dass maximal 20 bis 30 Prozent des Bonus sofort in liquiden Mitteln ausgezahlt werden dürfen. Zudem soll die Auszahlung von 40 bis 60 Prozent des Bonus’ über drei bis fünf Jahre gestreckt werden. Die Hälfte der Boni soll in Aktien vergütet werden, um einen Anreiz für die Mitarbeiter zu schaffen, vor allem auch den langfristigen Erfolg der Bank im Auge zu haben. Gleichzeitig soll die Vergütung des Managements im Geschäftsbericht aufgeführt werden.

          Großbritannien hat zudem das Projekt „Merlin“ aufgesetzt, eine Einigung des Schatzamtes mit den größten Banken des Landes, der HSBC, Barclays, der Royal Bank of Scotland und der Lloyds Banking Group sowie dem britischen Zweig von Santander. Ziel der Abmachung war es, die Banken zu einer höheren Kreditversorgung des Mittelstandes zu zwingen. Zugleich veröffentlichen die „Merlin-Banken“ die Vergütungen der Board-Mitglieder und der fünf bestbezahlten Manager unter dem Vorstand. Die Bezahlung hochdotierter Händler fällt nicht unter die Veröffentlichungspflicht.

          Obwohl es in Großbritannien eine Sondersteuer auf Bonuszahlungen von 50 Prozent gibt, wird das Schatzamt dieses Jahr wohl weniger Steuereinnahmen einstreichen, denn die Boni sind stark rückläufig. Nach der Krise würden sie sich aber wieder erholen, erwartet das Centre for Economic and Business Research. Bettina Schulz

          Ein Fünftel weniger Bonus in New York

          An der Wall Street zeichnen sich für dieses Jahr sinkende Bonuszahlungen ab. Personalberater prognostizieren einen durchschnittlichen Rückgang um mindestens 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Es ist wahrscheinlich, dass die Gewinne kräftig zurückgehen, die Entlassungen anhalten und die Bonuszahlungen niedriger ausfallen werden als im vergangenen Jahr“, sagt Thomas DiNapoli, der Finanzminister des Bundesstaates New York. Im vergangenen Jahr war das Durchschnittsgehalt in der New Yorker Wertpapierbranche nach Angaben von DiNapoli allerdings noch um 16 Prozent auf rund 361.000 Dollar gestiegen.

          New York: Die Entlassungen gehen weiter

          Die Aussichten hätten sich aber deutlich verschlechtert. Als Gründe führt der Finanzminister eine schleppende Konjunktur, starke Kursschwankungen an den Börsen und regulatorische Änderungen an, die unter anderem den einst lukrativen Eigenhandel der Banken beschränken. DiNapoli geht davon aus, dass Wertpapierhäuser an der Wall Street in diesem Jahr ein Drittel weniger verdienen werden als noch im Vorjahr. Und weil Wertpapierhäuser in der Regel bis zur Hälfte ihrer Einnahmen als Boni auszahlen, dürften das auch die Mitarbeiter zu spüren bekommen.

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