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Interview BWL-Professorin : „Junge Männer reden ständig über Kinder“

  • -Aktualisiert am

Ann-Kristin Achleitner (51) hat einen Lehrstuhl für Entrepreneurial Finance an der TU München. Sie sitzt in Aufsichtsräten wichtiger deutscher Unternehmen. Bild: Andreas Müller

BWL-Professorin Ann-Kristin Achleitner über die Macher von morgen, Väter, Banker im Image-Tief und ihr Leben in der mächtigsten Manager-WG Deutschlands.

          6 Min.

          Frau Achleitner, Sie waren Deutschlands jüngste Professorin.

          Das wurde öfters geschrieben, aber ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob es stimmt, ich habe das nie überprüft...

          Jedenfalls haben Sie als BWL-Professorin die Macher von morgen im Blick. Was taugt der Nachwuchs?

          Das Auffälligste ist die Neigung, etwas Eigenes gründen zu wollen. Sehr viele junge Menschen drängt es in die Startup-Welt, zumindest in meinem direkten Umfeld unter den Studenten an der TU München. Früher war das ein Nischenphänomen, heute sehe ich eine breite Begeisterung dafür.

          Was ist die Ursache dafür? Vorbilder wie Oliver Samwer oder die Zalando-Gründer?

          Ein Grund ist der technologische Umbruch. Die jungen Leute merken, das bietet Chancen, etwas Eigenes zu gestalten. Verstärkt wird das durch die Bemühungen der Universitäten mit Gründungszentren und Ähnlichem. Außerdem verliert die klassische Karriere als Manager in einem Großkonzern an Attraktivität.

          Bevor das mittlere Management sie verschluckt, versuchen die jungen Leute lieber was Eigenes?

          Die Freiheitsgrade spielen sicher eine Rolle, der gefühlt größere Einfluss des Einzelnen in der Start-up-Welt. Dazu kommt, dass diese Generation eine andere Vorstellung hat von dem, was sie erwartet von ihrem Leben.

          Zur Freiheit gehört, zu sagen: Ich mache mir’s gemütlich, gönne mir ein Sabbatical oder reise in der Elternzeit mit der Familie um die Welt.

          Diese Unterstellung kommt von Ihnen. Wahr ist: Das Bewusstsein hat sich in den vergangenen zehn Jahren komplett geändert, das merke ich an meinen Assistenten. Die haben eine völlig andere Einstellung, wer sich um die Kinder kümmert. Elternzeit für Väter ist absoluter Alltag, man kann förmlich dabei zugucken, wie sich die Lebensentwürfe in diese Richtung ändern.

          Der karrierefixierte Macho ist ausgestorben?

          Anspruch der Paare ist es, die Kindererziehung gemeinsam zu tragen. Die Männer reden heute auch viel mehr darüber. Wenn meine Assistenten zu Mittag essen, wird sehr viel über Kinder geredet. Das war früher nicht so.

          Bei Ihnen lief es traditioneller. Sie haben Ihren Lehrauftrag reduziert – der drei Kinder zuliebe.

          Richtig. Die Kinder stehen an erster Stelle, das ist so. Und ich bin froh, dass der Freistaat Bayern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an den Universitäten ermöglicht und die TU München dies auch voll unterstützt. Viele Jahre hatte ich eine 50-Prozent-Stelle, vor vier Jahren bin ich auf 20 Prozent gegangen.

          Wie teilen Sie Ihre Arbeitszeit auf?

          Die Hälfte der Zeit bringe ich für berufliche Tätigkeiten außerhalb der Universität auf, zu denen auch meine Aufsichtsratsmandate gehören, 20 Prozent gehen an die Uni. 30 Prozent sind Familienzeit.

          Begonnen haben Sie Ihre Karriere bei McKinsey, damals war Berater ein Traumberuf. Ist das vorbei?

          Beratung finden immer noch viele sehr spannend. Was eindeutig abgenommen hat, ist der Drang, ins Investmentbanking zu gehen, bei uns in Deutschland mehr als überall sonst. In Großbritannien steht der Investmentbanker noch immer weit oben auf der Liste der Berufswünsche, in Deutschland nicht.

          Woran liegt das?

          Abgesehen vom Image haben die jungen Leute, die sich für Geld und Finanzierung interessieren, heute mehr Auswahl, die Finanzindustrie ist weiter gefächert. Private-Equity-Firmen suchen Nachwuchs, auch Großunternehmen, die eigene Wagniskapitalfonds auflegen. Und dann lockt die Start-up-Welt.

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