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Interview : „Geben Sie mir zwei Millionen und einen Porsche“

  • -Aktualisiert am

Wie beginne ich das Gespräch?
Beim Einstieg ist es wichtig, mit dem Chef über die eigenen Leistungen zu sprechen. Erst wenn ich über meine Leistungen gesprochen und mir mein Lob abgeholt habe, kann ich fragen, wie sich „sehr zufrieden“ denn in der Gehaltserhöhung umsetzt.
Reicht es zu sagen „Ich will mehr Geld“?
Nein, das ist viel zu unkonkret. Es ist wichtig, sich vorher genau zu überlegen, wie viel mehr Sie haben wollen. „Ich möchte fünf Prozent mehr“ oder „Ich denke an 20.000 Euro mehr im Jahr“: Das ist konkret. Ich höre übrigens immer wieder den Spruch: „Wenn ich jetzt so viel Geld fordere, werde ich bestimmt als Erstes gekündigt, wenn es der Firma schlecht geht.“ Das ist Unsinn, denn erstens kostet jemand, der viel Geld verdient, auch viel Abfindung und zweitens ist jemand, der viel und gut für sich verhandeln kann, auch sehr selbstbewusst und tritt ja auch für die Firma so auf.
Was mache ich, wenn mein Chef sagt „Wir haben doch gerade erst Ihren Vertrag verlängert“?
Eine gute Antwort darauf ist: Dann sind wir ja gerade gut drin und können auch gleich noch das Gehalt erhöhen. Es ist wichtig, nicht den Kopf einzuziehen, sondern sich auf dieses Machtspielchen einzulassen. Wenn jemand zu mir sagt: „Können wir am Preis noch was machen?“, antworte ich: „Klar! Wie viel mehr wollen Sie mir denn zahlen?“
Wie reagiere ich, wenn es heißt „Unsere Firma macht grade schwierige Zeiten durch“?
Einmal würde ich diese Hinhaltetaktik akzeptieren. Aber ich würde sofort festlegen, dass in drei Monaten wieder gesprochen wird. Und das Ganze sofort im Kalender eintragen. Außerdem ist es sinnvoll, gleichzeitig Bewerbungen zu verschicken und seinen Marktwert bei anderen Firmen zu checken. Mit einem Angebot in der Tasche ist Verhandeln leichter.
Und wenn es heißt, dass da draußen Hunderte Leute Schlange stehen, die sich ein Bein abhacken würden, um meinen Job zu bekommen?
Man könnte dagegenhalten, dass es ein bis zwei Jahresgehälter kostet, bis jemand Neues die gleiche Leistung bringt wie man selbst. Der Neue muss ja gesucht und eingearbeitet werden. Wichtig: Keine Drohungen aussprechen. Einfach ruhig sagen, dass es so nicht in Ordnung ist, wie argumentiert wird.
Die Mieten sind gestiegen, die Spritpreise auch – sind das Argumente, die ich im Gehaltsgespräch anführen kann?
Mit Kosten zu argumentieren ist ganz schlecht. Damit zeige ich dem Chef, dass mich das Unternehmen überhaupt nicht interessiert.
Was sollte man noch vermeiden?
Angriffe sind immer schlecht. Oder Trotzreaktionen. Und lassen Sie sich nicht in die Bittstellerposition bringen. Stehen Sie zu dem, was Sie fordern.
Was kann man noch fordern, wenn klar ist, dass es keine Gehaltserhöhung gibt?
Wenn ich zum Beispiel einen Kinderbetreuungszuschuss bekomme, ist das richtig viel Geld wert. Auch Fahrtkosten, Weiterbildungen oder Englischkurse können ein guter Weg sein, sich zu verbessern. Und dann gibt es noch die Möglichkeit, Essensgutscheine, Rabatte oder kostenlose Besuche im Fitnessstudio zu bekommen. Da darf man ruhig kreativ sein.


Claudia Kimich, 41, ist Trainerin und Coach. Sie hat Informatik studiert und das Buch „Um Geld verhandeln“ geschrieben (Beck Juristischer Verlag, 128 Seiten, 6,80 Euro). Kimich lebt und arbeitet in München.

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