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Kein Visum ohne Präsenzlehre? : „Die deutschen Unis sollten ausländischen Studierenden mehr helfen“

Wehe dem ausländischen Studenten, dessen Uni keine Präsenzlehre anbietet, ein Visum bekommt er in vielen Fällen nicht. Bild: Picture-Alliance

Ausländische Studenten haben seit Corona in Deutschland große Probleme, ein Visum zu bekommen. Studentensprecher Kumar Ashish fordert ein Umdenken in den Botschaften und Hochschulen.

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          Welche Schwierigkeiten gibt es momentan für ausländische Studierende, die ihr Studium in Deutschland antreten wollen?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Kumar Ashish: Das größte Problem ist momentan, ein Visum zu bekommen. Diejenigen Studierenden, die schon eines hatten, das jetzt aber abgelaufen ist, müssen ein neues beantragen. Es gibt dabei nicht mehr die früher übliche vereinfachte Verlängerung. Jetzt muss man sich erneut in der Botschaft vorstellen. Die andere Schwierigkeit ist, dass die Botschaft einen Nachweis der Universität verlangt, dass die Präsenz bei dem jeweiligen Studium Pflicht ist. Aber das ergibt aus meiner Sicht keinen Sinn. Denn ein Online-Studium vom Heimatland aus ist kein richtiges Studium. Ich kann als ausländischer Studierender zwar Online-Kurse belegen, aber ich habe oft keine Bibliothek und mir fehlen auch andere Hilfsmittel. Deshalb sollten die Botschaften den Studierenden in dieser Frage entgegenkommen und ihnen keine Probleme machen. Der Außenminister sollte die Botschaften anweisen, ausländischen Studierenden zu helfen.

          Wie schwierig ist es für Studenten, die nicht aus der EU kommen, einen Nachweis über Präsenzlehre zu bekommen?

          Das ist unterschiedlich. Bei den privaten Universitäten gibt es kein Problem. Bei den öffentlichen zum Teil aber schon. Da wird der Nachweis manchmal abgelehnt. Manchmal gibt es auch eine Ablehnung der Botschaft, obwohl man den Nachweis der Universität hat. Zum Beispiel, weil die Corona-Situation in Nordrhein-Westfalen gerade schwierig ist. Das finde ich aber nicht richtig. In solch einem Fall fände ich es gut, wenn die Botschaft einen Nachweis akzeptieren würde, dass man negativ auf Corona getestet wurde. Was auch oft ein Problem ist: Überhaupt einen Termin auf einer Botschaft vor allem in Indien und China zu bekommen. Studierende müssen viele, viele Male anrufen und erfahren dann schließlich, dass es keine freien Termine mehr gibt. Das Problem vergrößert sich dadurch, dass gerade in diesen beiden Ländern viele Studierende nach Deutschland wollen. Ich finde, eine Botschaft muss genug freie Termine haben. Sie kann ja auch Online-Gespräche anbieten. Deutschland ist in der jetzigen Situation in vielem voraus, aber noch nicht perfekt.

          Nochmal zu der Frage nach den Präsenznachweisen von deutschen Hochschulen. Ist man gegenüber ausländischen Studenten entgegenkommend?

          Kumar Ashish, Sprecher des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS) e.V.
          Kumar Ashish, Sprecher des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS) e.V. : Bild: privat

          Bei privaten Universitäten ist es sehr einfach. Man schreibt eine E-Mail und hat den Nachweis am nächsten oder übernächsten Tag. Zum Beispiel in Oldenburg aber, dort, wo ich studiere, bekommt man diesen Nachweis nicht so ohne weiteres. In solch einem Fall schalten wir von der Hochschulgruppe für ausländische Studierende uns ein und empfehlen, diesen Nachweis auszustellen, weil der Antragsteller zum Beispiel negativ auf Corona getestet ist, zu Hause keinen Zugriff auf Bibliotheken hat und die Situation in Deutschland ja auch stabil ist. Das hilft dann oft. Es ist aber schade, dass nur wir das tun – so weit ich weiß – und sich nicht auch andere Institutionen oder sogar alle Professoren einsetzen.

          Sie sind also im Grunde für eine Ausweitung des Begriffs „Präsenzstudium“, weil jedes gute Studium Präsenzanteile haben sollte und allein durch das Angebot einer Bibliothek auch hat?

          Ja, aber es geht nicht nur um Bibliotheken, Studierende brauchen, um eine gute Note zu bekommen, auch die direkte Hilfe von Professoren und den Austausch in Gruppen. Bisher gehen die meisten Hochschulen auf Nummer sich. Sie schreiben zurück: Okay, leider können wir nur Online-Kurse nachweisen, wie sollen wir den gewünschten Präsenz-Nachweis erbringen? Sie wollen kein Risiko eingehen. Sie sollten aber nicht vor allem an sich denken, sondern sich für die Studierenden einsetzen.

          Warum sind die Schwierigkeiten ausländischer Studenten auch in Deutschland nicht früher öffentlich geworden? Spätestens in der Diskussion um die Zurückweisung deutscher Studenten durch die Vereinigten Staaten hätten Sie ja gut darauf hinweisen können.

          Das haben wir schon Mitte April getan, und an die zuständigen Bundes- und Länderminister geschrieben (das Schreiben liegt der Redaktion vor), das hat aber leider nicht geholfen.

          Zur Person: Kumar Ashish studiert Engineering Physics an der Universität Oldenburg. Neben dem Studium vertritt er seit drei Jahren Studenten an der Universität und ist gewählter Vertreter im HGAS, dem AStA für die internationalen Studierenden. Zudem arbeitet er als Tutor im Internationalen Büro der Universität. Derzeit ist er Vorsitzender und Sprecher des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS) e.V.

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