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Institut für Kunstgeschichte : Ein Grazer Bildersturm

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Das Kunsthistorische Institut im Hauptgebäude der Universität Graz Bild: Uni Graz

Wer durch die prächtigen Räume des Grazer Institutes ging, atmete Geschichte und sah eine einzigartige Mischung von Büchern, Dokumenten und Kunstwerken. Dies alles gehört nun der Vergangenheit an.

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          Das seit 125 Jahren bestehende Institut für Kunstgeschichte in Graz spielte im Gefüge der europäischen universitären Kunstgeschichte immer eine besondere Rolle. Mehr noch als die berühmte Wiener Kunstgeschichte hat Graz trotz beschränkter Mittel und Stellen den Typus des Universalgelehrten hervorgebracht, der Theorie und Praxis verbindend die Kunstgeschichte auf den Entwurf eines methodisch fundierten europäischen Kunstpanoramas – doch auch unter Einschluss der Kunst des Nahen Ostens und Indiens – verpflichtete.

          Für eine solche Einstellung mögen die bedeutenden Namen von Josef Strzygowski, Hermann Egger, der dem Institut eine unvergleichliche Rom-Sammlung vermachte, des legendären Polyhistors Heinrich Gerhard Franz und Götz Pochat stehen, doch auch Dutzende anderer Grazer Kunsthistoriker haben die Forschungslandschaft der Kunstgeschichte in voller Breite vertreten, von der Spätantike bis zur Moderne.

          Wer durch die prächtigen Räume des Institutes ging, sah eine in über hundert Jahren zusammengetragene einzigartige Mischung von Büchern, Dokumenten und Kunstwerken. Man sprach im Fach nicht ohne Neid vom Institut als von einem räumlichen, doch hochgradig intellektuell fundiertem Gesamtkunstwerk.

          Dies alles gehört nunmehr der Vergangenheit an. Nach der umstrittenen Berufung einer Forscherin zur Kunst der Gegenwart hat die resolute, wenngleich wissenschaftlich eher unauffällige Dame mit der vollen Rückendeckung des Universitätsrektors die Sammlungen und Institutsdokumente mehrheitlich entfernt und zerstreut, die Räume umgewidmet. Das Institut soll sich nunmehr auf die Moderne und Gegenwartskunst (doch in Wirklichkeit nur auf die Gegenwartskunst) beschränken. Die Traditionspflege und die bisherige inhaltliche und methodische Mehrstimmigkeit scheinen nicht mehr erwünscht zu sein. Es ist dies eine beispiellose Entwertung der Kunstgeschichte als eines historischen Faches, vollzogen in einer quasi-bilderstürmerischen Art und Weise, die man noch vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

          Der Autor ist Professor für Kunstgeschichte in Tübingen.

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