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Ingenieure ohne Grenzen : „Mit 35 Liter sauberem Wasser ist es unmöglich, alle Schüler zu versorgen“

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Der Aufenthalt war auf sechs Wochen angesetzt – zwei Anlagen wurden in der Zeit gebaut. Wir haben so gut wie möglich vorausgeplant. Vor Ort haben die Kollegen dann das Material gekauft und die Anlage in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern – Schülern einer Berufsschule – gebaut. Darauf folgte eine Evaluationsphase.

Wie muss man sich den Tagesablauf vor Ort vorstellen?

Unsere Kollegen haben sich dem Alltag in der Berufsschule angepasst: Um 8 Uhr begann der Vormittag mit einer Morgenansprache, es folgte eine Arbeitsphase bis 12 Uhr, nach dem Mittagessen wurde weitergearbeitet bis 6 Uhr abends. An den Wochenenden ging es daran, die Schwierigkeiten, aber auch alles, was gut lief, zu dokumentieren, die Planung für den nächsten Tag anzusetzen und den Zeitplan abzugleichen.

Sind Sie mit dem Ergebnis der Arbeit zufrieden?

Die beiden 2017 gebauten Anlagen funktionieren und sind im Einsatz. Allerdings ist klar, dass für die Berufsschule der Output noch zu gering ist. Mit 35 Litern pro Tag ist es bisher unmöglich, alle Schüler mit sauberem Wasser zu versorgen. Den Output müssen wir dafür definitiv weiter steigern.

Wie ist der aktuelle Stand des Projektes?

Wir überarbeiten die Anlage gerade mit Hilfe der Erkenntnisse aus Tansania. Außerdem aktualisieren wir die Bauanleitung und ergänzen sie um zusätzliche Videotutorials, die den Aufbau erleichtern sollen. 2019 wollen wir mit der verbesserten Anlage ausreisen.

Warum sind Sie 2017 nicht mit nach Tansania gereist?

Ich arbeite seit Oktober 2016 an dem Projekt und wäre natürlich gern ausgereist. Aber die Ausreise 2017 war für mich zu früh, denn ich kannte die Anlage damals noch nicht gut genug.

2017 wurden die ersten beiden Wasserdesinfektionsanlagen in Tansania erfolgreich gebaut.

Wie sind Sie in das Projekt eingebunden?

Ich bin aktuell die Ansprechpartnerin für das Projekt und übernehme quasi die Koordination der Arbeitsgruppen und die längerfristige Planung. Wir haben zwei Kompetenzgruppen – für Technik sowie Anlage und Anleitung – und eine weitere, die sich um die Kommunikation mit den Partnern, die Öffentlichkeitsarbeit und die interne Kommunikation kümmert. Ich behalte den Überblick, wer wann an welcher Aufgabe arbeitet, und habe im Blick, wann Projektteile erledigt werden müssen. Ich halte den Kontakt zur
Geschäftsstelle in Berlin, spreche mit den Kollegen dort die Auslandphasen ab. Wir sind zwar spendenfinanziert und für das Sammeln der Gelder selbst verantwortlich, aber die Konten werden von Berlin aus geführt.

Hat Ihre Arbeit bei Ingenieure ohne Grenzen Einfluss auf Ihre zukünftige Berufswahl?

Ingenieure ohne Grenzen hat mir auf jeden Fall ein neues Berufsfeld eröffnet, in dem ich als Umweltingenieurin tätig sein kann, nämlich das der Entwicklungszusammenarbeit. Gerade technische Sachverständige und Consultants werden in dem Bereich besonders gebraucht. Ganz konkret weiß ich allerdings noch nicht, was ich machen möchte. Wenn ich nach dem Master tatsächlich in die Entwicklungszusammenarbeit einsteige, würde es sich beispielsweise anbieten, zunächst Arbeitserfahrung in Deutschland zu sammeln und dann im zweiten Schritt etwa bei der KfW anzufangen. Egal was ich am Ende machen werde – ich bin optimistisch, dass ich etwas finde, das mir Spaß macht.

Das Interview führte Julia Hoscislawski.

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