https://www.faz.net/-gyl-86lsz

Numerus clausus : Immer weniger Studiengänge mit NC

Kein Zutritt zur Uni Hamburg? Hamburg ist im bundesweiten Vergleich „Spitzenreiter“ für zulassungsbeschränkte Studiengänge. Bild: UHH/Dichant

In Deutschland sinkt die Zahl der mit einem Numerus clausus (NC) belegten Studiengänge. Im Vergleich der Bundesländer weisen Bremen und Hamburg die meisten Zulassungsbeschränkungen auf.

          1 Min.

          Die Zahl der mit einem Numerus clausus (NC) belegten und demnach zulassungsbeschränkten Studiengänge in Deutschland ist rückläufig. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Demnach liegt die Menge der zulassungsbeschränkten Studiengänge im Wintersemester 2015/16 deutschlandweit im Durchschnitt bei 42 Prozent und damit 3,5 Prozentpunkte unter der des WS 2013/14. CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele bewertet diese Entwicklung als Beleg für die Anstrengungen von Hochschulen und Politik, der gestiegenen Studierneigung Rechnung zu tragen. Allerdings dürfte auch das Auslaufen der doppelten Abiturjahrgänge eine nicht unwichtige Rolle gespielt haben.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ausschlaggebend für den Trend sind vor allem die stark rückläufigen NC-Quoten in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, wo der Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge jeweils etwa neun Prozentpunkte unter dem Niveau von vor zwei Jahren liegt.

          NC-Ländervergleich: Hamburg und Bremen bei Numerus clausus Spitzenreiter

          Im Vergleich der Bundesländer ist der Anteil der mit einem NC belegten Studiengänge in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen am höchsten: Hamburg kommt auf 68,6 Prozent, Bremen auf 65 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Rheinland-Pfalz dagegen ist jeweils nur etwa ein Viertel der Studiengänge mit einem Numerus clausus belegt.

          Deutliche Unterschiede gibt es auch in den Abschlussarten: Demnach sind Bachelorstudiengänge bundesweit deutlich häufiger mit NCs belegt (47,7 Prozent) als Masterstudiengänge (36 Prozent). Auch bei den Fächergruppen treten deutliche Unterschiede hervor. So ist die Fächergruppe mit den höchsten NC-Quoten jene der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (53,8 Prozent), die wenigsten Zulassungsbeschränkungen weisen die Sprach- und Kulturwissenschaften (30,5 Prozent) auf.

          NC: Für Studenten schwer durchschaubar

          Insgesamt sind die großen Unterschiede, die der NC-Check für die mehr als 17.000 Studiengänge in Deutschland ermittelt hat, für die Studenten nur schwer zu durchschauen. „Studenten sollten sich von einem NC an ihrem Wunschstudienort nicht entmutigen lassen“, rät deshalb CHE-Geschäftsführer Ziegele und empfiehlt, auch Alternativen an anderen Orten zu prüfen. Zudem fordert er mehr Transparenz über Studienangebote und deren Zulassungsbedingungen ein – dies sei „angesichts der größeren Anzahl und Heterogenität der Studieninteressierten in Zukunft noch wichtiger“.

          Numerus clausus

          Der Numerus clausus ist Ausdruck des Zustands, dass es für bestimmte Studiengänge nur eine bestimmte Zahl von Studienplätzen gibt. Grundsätzlich stehen die einzelnen Studiengänge einer Hochschule zunächst einmal allen Studierenden offen. Diese grundgesetzlich garantierte Freiheit kann jedoch aufgrund der Kapazität der Hochschulen eingeschränkt werden. Grundlage für den Numerus clausus waren bis zum Jahr 2004 im Wesentlichen die Abiturnote sowie die seit dem Schulabschluss vergangene Wartezeit auf einen Studienplatz. Mittlerweile können und müssen die Hochschulen zum Teil sogar eine größere Vielfalt von Vergabekriterien anwenden, zum Beispiel Berufserfahrung oder speziell gewichtete Einzelfachnoten des Abiturzeugnisses.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Cornelia Koppetsch im Oktober 2019 auf der Frankfurter Buchmesse

          Plagiate bei Soziologin : Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Sie habe „rücksichtslos“ gehandelt, die gute wissenschaftliche Praxis sei gravierend missachtet worden: Eine interne Untersuchungskommission der TU Darmstadt findet deutliche Worte zu den Plagiaten ihrer Soziologin Cornelia Koppetsch.
          Blick auf London: Ein Mann überquert die Waterloo Bridge

          Großbritannien : Corona-Krise kostet 730.000 Arbeitsplätze

          Die Pandemie hinterlässt auf dem britischen Arbeitsmarkt tiefe Spuren. Neun Millionen Menschen wurden in Zwangsurlaub geschickt. Im Oktober laufen die staatlichen Hilfsprogramme aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.