https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/xenophobie-die-ueberwindung-des-fremden-17917186.html

Xenophobie : Die Überwindung des Fremden

  • -Aktualisiert am

Ein Graffiti zeigt die Opfer der Anschläge von Hanau im Februar 2021. Bild: Frank Röth

Die Angst vor dem Fremden lässt sich nicht dadurch überwinden, dass man es wie in den sozialen Netzwerken einem globalen Raster angleicht: über die Wurzeln der Xenophobie und ihre neueren Erscheinungsformen. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Keinen Schlussstrich unter den NSU ziehen, solange die fremdenfeindlichen Impulse, die zu einer solchen Verbrechensserie führten, noch Rückhalt in der Bevölkerung haben. Ja! Doch wie werden wir diese Impulse los? Nur wenn wir über die Gründe für ihre Hartnäckigkeit nicht länger hinwegreden und zur Kenntnis nehmen, was für ein harter Brocken das Fremde ist. Nehmen wir es also beim Wort. Das griechische xenos heißt „fremd“ und kommt dreifach vor: als der Fremde, die Fremde (nicht nur Person, auch Umgebung) und das Fremde. Was schlechterdings fremd ist, erschreckt; oder umgekehrt: Das Schreckliche ist das schlechterdings Fremde; es lässt sich mit nichts Eigenem in Einklang bringen. Wo Fremdes zu faszinieren beginnt oder zum Objekt der Neugier mutiert, da ist es schon zum Außenbezirk von Vertrautem geworden. Wenn Kinder anfangen, fremde Hunde zu streicheln, Schmetterlinge zu verfolgen, Häuflein zu betasten und zu beriechen, so geschieht das gewöhnlich in häuslicher Umgebung oder auf gesichertem Boden, wo Eltern oder andere Bodyguards in Sicht- oder Rufweite sind.

          Als Altsteinzeitmenschen darauf verfielen, den traumatischen Schrecken der Naturgewalt in Gestalt von Opferritualen zu zelebrieren, da begannen sie, seine Fremdheit zu bearbeiten. Dadurch, dass sie ihn, sozusagen in Eigenregie, wieder und wieder aufführten, gewann seine schreckliche Fremdheit allmählich eine gewisse Vertrautheit. Sie wurde gemildert. Schreckliches muss auf verständige Weise wiederholt oder, psychoanalytisch gesagt, durchgearbeitet werden, wenn es in den eigenen seelischen Haushalt inte­griert werden und darin nicht eine abgespaltene, destabilisierende, desorientierende Existenz führen soll.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Liverpool-Trainer Jürgen Klopp : „Ich weiß, dass ich kein Genie bin“

          Zu Besuch in Liverpool bei dem Mann, der die Fußballwelt verändert: Ein Gespräch mit Jürgen Klopp vor dem Finale der Champions League über die Bedeutung seiner Spielidee und warum sein Bestes allein nicht gut genug ist.
          Dieses Bild wird bleiben: SGE-Trainer Glasner und Kapitän Sebastian Rhode können es noch nicht ganz fassen, aber gleich „überreichen“ sie den Europapokal an Peter Feldmann

          Frankfurter Oberbürgermeister : Die Stadt kann ihn mal

          Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann hat nicht nur den Europapokal der Eintracht abgeschleppt. Er hat vielmehr der ganzen Stadt zu verstehen gegeben, dass er sich um sie und deren Bürger nicht weiter schert. Die Abwahl muss jetzt kommen.
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden
          Zertifikate
          Alle exklusiven Zertifikate im Überblick
          Englischkurs
          Lernen Sie Englisch