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Wohnungssuche in Coronakrise : WG gesucht – oder lieber nicht?

  • -Aktualisiert am

Wäschespinne zuhause oder WG-Balkon? Bild: dpa

Leerstand in Wohnheimen und Studierende, die wieder bei ihren Eltern einziehen: Corona hat den Wohnungsmarkt für junge Menschen durcheinandergewirbelt. Ist es leichter geworden, eine günstige Bleibe zu finden?

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          Natalia Gemignani ist sich nicht mehr sicher, ob sie für ihren Master wirklich umziehen soll: Von Ende Oktober an wird sie in Leipzig Nachhaltige Entwicklung studieren, im Moment wohnt sie noch mit ihrem Freund zusammen in Frankfurt. Schon vor Corona stand fest, dass sie dort während ihres Studiums viel Zeit verbringen würde, jetzt stellt die 26 Jahre alte Studentin erst recht in Frage, ob sich ein Umzug von Hessen nach Sachsen noch lohnt. „Für ein paar Nächte kann ich auch bei Freunden oder im Hostel übernachten“, findet sie. Das sei dann auf jeden Fall billiger.

          Der Umzug für das Studium ist unter normalen Umständen ein aufregendes Ereignis für junge Menschen. Für Gemignani bedeutet die aktuelle Situation hingegen sehr viel Unsicherheit, denn noch ist nicht absehbar, wie viele der Vorlesungen und Seminare ihres Masters als Präsenzveranstaltungen stattfinden werden. Und damit ist sie nicht allein: Die Corona-Pandemie hat den Wohnungsmarkt und die -suche für viele angehende Studierende ganz schön durcheinandergewirbelt. Im vergangenen Sommersemester, das fast ausschließlich online stattfand, sind viele junge Menschen zurück zu ihren Familien gezogen.

          Das Wintersemester soll an den meisten Universitäten zum Teil online und zum Teil offline stattfinden – genaue Informationen dazu gibt es in vielen Fällen noch nicht. Die Planung ist darum für viele Studierende schwierig: Lohnt es sich überhaupt, umzuziehen, oder sollten sie sich das Geld für ein Zimmer nicht besser sparen? Werden sie überhaupt Menschen kennenlernen, wenn sie in eine neue Stadt ziehen und alle Veranstaltungen nur digital stattfinden?

          „Jeder, der sich bei uns bewirbt, bekommt gerade ein Zimmer“

          Diese Fragen beschäftigen auch Anna-Lena Frank. Sie startet zum Wintersemester einen Master in Molecular Life Science in Lübeck. Ob und wie viel sie dort anwesend sein muss, weiß die 24 Jahre alte Frau noch nicht. „Im ersten Semester habe ich auf jeden Fall fast nur Vorlesungen und Seminare und kein Labor“, sagt sie. Also Veranstaltungen, die gut auch online stattfinden können. Sie hatte darum lange nicht mit der Wohnungssuche begonnen: „In Hamburg fühle ich mich zurzeit sehr wohl“, sagt sie und zweifelt daran, ob es ihr in Zeiten von Corona gelingen würde, Freunde in einer neuen Stadt zu finden.

          Auch für die Studierendenwerke ist die Situation einer Herausforderung. Normalerweise bieten ihre Wohneinheiten gerade für Erstsemester und internationale Studierende Unterkünfte. Diese beiden Gruppen ziehen jetzt aber häufig nicht an den neuen Studienort. Ein Problem, wie Alexandra Diestel-Feddersen, Geschäftsführerin des Studierendenwerks Mainz, erklärt. Dort ist zu befürchten, dass ungefähr zehn Prozent der 4300 Wohneinheiten leer bleiben – was zu monatlichen Mietausfällen von 150.000 Euro führe. Derzeit hat das Studierendenwerk noch knapp 500 freie Zimmer und nur wenige Bewerber. „Jeder, der sich bei uns bewirbt, bekommt gerade ein Zimmer“, sagt Diestel-Feddersen.

          Normalerweise startet das Studierendenwerk Mainz mit einer Warteliste mit mehreren hundert Studierenden ins Semester; in diesem Jahr gibt es keine solche Liste. Schon im Sommersemester hatte das Studierendenwerk mit Leerstand zu kämpfen: Einige Studierende aus dem Ausland reisten nicht an, viele kündigten die Verträge. Das Studierendenwerk hatte deshalb schon seine Satzung geändert und auch andere Gruppen, wie zum Beispiel Auszubildende, aufgenommen. Die Nachfrage war aber auch unter dieser Gruppe eher gering.

          Freie Zimmer in Wohnheimen

          Nicht in allen Studierendenwerken sei die Situation so angespannt wie in Mainz, betont Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Im vergangenen Sommersemester habe es in Wohnheimen zwischen einem und 17 Prozent Leerstand gegeben, in klassischen Studierendenstädten wie Freiburg oder Heidelberg oder in Städten mit extrem angespanntem Wohnungsmarkt wie München habe das gut über den Abbau von Wartelisten aufgefangen werden können.

          An anderen Standorten wie Würzburg, Bonn oder auch Mainz seien hingegen schon Zimmer frei geblieben. Einige Wohnheime hätten darum stärker auf Kurzzeitvermietung gesetzt, um die Phase zu überbrücken. Jetzt, zum Start des Wintersemesters, sei aber die Nachfrage auch schon wieder deutlich gestiegen, auch weil viele Unis gerade für Erstsemesterstudierende verstärkt auf Präsenzlehre setzen.

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