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Schwierige Zusammenarbeit : Wie China die Wissenschaft für seine Politik nutzt

Studieren in Maos Schatten: Eine Statue auf dem Campus der Fudan Universität in Shanghai Bild: LAIF

Einflussversuche der Regierung auf Universitäten und Forschungsinstitute in Deutschland häufen sich. Es geht auch um den Export der eigenen Zensurstandards.

          5 Min.

          Als in Budapest jüngst mehrere Tausend Demonstranten auf die Straße gingen, um gegen den Bau eines Außencampus der chinesischen Fudan-Universität zu protestieren, geriet Ungarns Präsident Orbán in Erklärungsnot. Nach einem Bericht des ungarischen Investigativportals Direkt36 soll der Bau bei einem Staatsbesuch des chinesischen Außenministers Wang Yi mit ranghohen Vertretern der ungarischen Regierung besprochen worden sein. Tamás Matura, Leiter des Central and Eastern European Centre for Asian Studies, sieht den Bau kritisch: „Das Jahresbudget ist höher als die Gesamtausgaben aller ungarischen Universitäten zusammen, daher kann Fudan die besten Studenten und Professoren aus der gesamten Region abwerben.“

          Anna Schiller
          Volontärin.

          Das Projekt steht sinnbildlich für ein neues Selbstverständnis der chinesischen Regierung in den Wissenschaftsbeziehungen mit dem Ausland. Auch deutsche Forschungsinstitutionen berichten, dass sich chinesische Partner ihnen gegenüber in den letzten Jahren deutlich selbstbewusster, gar überheblich, gebaren würden. Aus Angst vor negativen Konsequenzen für die eigenen Projekte mit China möchte jedoch niemand öffentlich darüber sprechen. In vielen Forschungsgebieten ist das chinesische Selbstbewusstsein durchaus gerechtfertigt: Beispielsweise bei der Künstlichen Intelligenz sind chinesische Einrichtungen im weltweiten Vergleich Spitzenreiter. Wissenschaftskooperation wird auf chinesischer Seite jedoch nicht mehr als reiner Selbstzweck in einer globalen Forschungsgemeinschaft gesehen. Stattdessen agierten chinesische Forschungseinrichtungen auch in der Zusammenarbeit mit deutschen Partnern in den vergangenen Jahren stärker interessenorientiert.

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