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Studieren in der Pandemie : Leere Unis rund um die Welt

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Lehre mit Gottes Segen: Bis zum strikten zweiten Lockdown im November konnten Studenten in der Wiener Votivkirche ihren Vorlesungen lauschen. Bild: AP

Viele Studenten in Deutschland sind einsam und haben die Distanz-Lehre satt. Doch wie sieht es in anderen Ländern aus? Ein Stimmungsbild der F.A.Z.-Korrespondenten von Japan bis Südafrika.

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          Brasilien – Kluft zwischen Arm und Reich

          Die brasilianischen Universitäten haben bisher keine Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verzeichnen. Alle Präsenzaktivitäten wurden schon im März eingestellt. Während Shoppingcenter, Restaurants und Bars ihren Betrieb in den folgenden Monaten mit Auflagen wieder aufnahmen, blieben die Schulen und Unis leer. Daran änderte sich bis Ende des vergangenen Jahres und zum Beginn der großen Semesterferien nichts. Wie es im Februar weitergeht, ist ungewiss.

          Bild: F.A.Z./ Sieber

          Im Bildungsbereich hat die Pandemie die Kluft zwischen Arm und Reich schonungslos aufgedeckt. Ein Viertel der Brasilianer verfügt zu Hause nicht über einen Internetanschluss, darunter auch sechs Millionen Schüler und Studierende. Gerade solche aus einfachen Verhältnissen haben zudem oftmals keinen eigenen Computer. Einige staatlichen Universitäten gaben Stipendien aus, um diese technische Lücke zu schließen.

          Die Ungleichheit geht jedoch weit über den Zugang zu Technologie hinaus. Gute Bildung selbst ist weiterhin ein Privileg: Wer sich in Brasilien eine teure Privatschule leisten kann, der hat es einfacher, einen Studienplatz an einer der guten und kostenlosen staatlichen Universitäten zu ergattern. Nur ein Viertel der knapp neun Millionen Studenten im Land studiert an öffentlichen Unis, die restlichen sind an einer privaten Universität eingeschrieben. Viele Studenten an Privatunis können sich die Studiengebühren nur leisten, weil sie tagsüber arbeiten und von ihrer Familie unterstützt werden. Doch die Pandemie hat ihre wirtschaftliche Situation massiv verschlechtert. Schon im April konnte ein Viertel aller an Privatunis eingeschriebenen Studenten die Gebühren nicht mehr bezahlen. Tausende schmissen hin. Andere verschuldeten sich und müssen nun um ihren Verbleib an ihrer Uni zittern. Viele Privatunis sind dadurch selbst unter finanziellen Druck geraten.

          Tjerk Brühwiller, São Paulo

          Bild: F.A.Z./ Sieber

          Großbritannien – Streit über Studiengebühren

          An britischen Universitäten hat Corona zu Beginn des akademischen Jahres hart zugeschlagen. Das Virus zog im Herbst durch die Wohnheime. Zehntausende infizierten sich, am meisten an den nordenglischen Unis Newcastle und Manchester. Inzwischen sind laut Übersicht der University and College Union (UCU) mehr als 50.000 Fälle offiziell gemeldet – von rund 2,5 Millionen Immatrikulierten. Präsenzunterricht gibt es fast keinen mehr. Fast alles läuft online.

          Die Regierung erlaubt nur wenige Ausnahmen, etwa für angehende Mediziner, die im Labor arbeiten müssen. Die Mehrzahl der Studierenden sitzt zu Hause, ist wieder bei den Eltern eingezogen. Etwa 40 Prozent bleiben an den Uni-Orten in ihren Wohnheimen oder WGs, schätzt Nick Hillman, Direktor des Hochschulpolitik-Thinktanks HEPI. „Viele nehmen die Situation ganz stoisch, machen das Beste daraus“, sagt Hillman. Andere beklagen indes, dass ihnen das soziale Erlebnis des Studierens fehlt.

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