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Eine Studentin berichtet : Mir fehlt die Präsenzlehre überhaupt nicht

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Ein leerer Hörsaal in einer deutschen Universität. Bild: dpa

Fast alle Veranstaltungen finden digital statt, den Erstsemestern entgehen schöne Lebenserfahrungen. Doch unsere Autorin kann dem Studieren vor dem Computer auch positive Seiten abgewinnen.

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          Zwei Wochen später als sonst sind wir nun Anfang November in das Wintersemester gestartet. Wegen der Corona-Pandemie wird es zum größten Teil ein digitales werden. Das haben uns die Universitätsmitarbeiter in vielen langen Mails, gespickt mit ausführlichen Hygieneanweisungen, mitgeteilt. Das Informationsaufkommen via Mail ist in Corona-Zeiten noch höher geworden, aber jeder will und muss sich absichern, wenn wenigstens ein paar Seminare in Präsenz abgehalten werden und die Bibliotheken offen bleiben sollen.

          Obwohl versucht wird, fast alles auch auf digitalem Wege zu erledigen, gibt es dennoch zum Teil fast schon paradox anmutende Notwendigkeiten, doch physisch präsent zu sein. Mein derzeit liebstes Beispiel: Nachdem meine Uni im vergangenen Wintersemester endlich von Studierendenausweisen, Immatrikulationsbescheinigungen oder Fahrausweisen für den öffentlichen Nahverkehr in Papierform Abstand genommen und eine Art Scheckkarte aus Plastik eingeführt hatte, muss man diese dennoch physisch an digitalen Terminals in der Studentenkanzlei validieren.

          So überrascht wie ein Reh im Scheinwerferlicht

          Mit tun außerdem die Erstsemester von Herzen leid. Ihnen wird gerade viel genommen von dem, was das studentische Leben ausmacht: selbständig zu werden in einer neuen Stadt, neue Menschen und Meinungen kennenzulernen. Alles eingedampft auf den immerhin hehren Versuch meiner Hochschule, durch digitale Meetings wenigstens einen Hauch von Ersti-Woche aufkommen zu lassen.

          Für mich persönlich ist die Digitalisierung meines Studiums sehr praktisch. Ich arbeite nach wie vor freiberuflich, um das Studium zu finanzieren, und spare mir viele Wege und somit Zeit. Mir fehlt die Präsenzlehre überhaupt nicht, denn ich bin ihren Vorteilen in meinem bisherigen Studium noch nicht begegnet. In hoffnungslos überfüllten Vorlesungen und Seminaren, in denen ich in jeder Veranstaltung völlig anderen Gesichtern begegne, bewegt sich kaum jemand heraus aus der Anonymität.

          Im Sommersemester hatten es all jene Lehrenden gut, die ihre Inhalte schon digitalisiert hatten. Alle anderen gaben sich Mühe, wirkten von den Möglichkeiten der digitalen Lehre aber so überrascht wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Mit Grauen erinnere ich mich beispielsweise an ein Seminar in Musikdidaktik, in dem uns die Dozentin nicht einmal Hörbeispiele bieten konnte, da sie kein Klavier zu Hause hat. Von den ständigen Tonausfällen und Verbindungsabbrüchen will ich gar nicht sprechen. Wenigstens ist eine ihrer Ängste kuriert: die vor Urheberrechtsverletzung, wegen der sie sich in vorherigen Semestern noch geweigert hatte, die Folien ihrer Vorträge oder von Referaten der Kommilitonen digital zur Verfügung zu stellen. Hier hat Corona geholfen.

          Unsere Autorin geht mit Mitte 30 noch mal zur Uni. Hier berichtet sie regelmäßig von ihrem Leben als Lehramtsstudentin – unter Kommilitonen, die zum Teil halb so alt sind wie sie.

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