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Hohe Abbruchrate : Wie können Mint-Fächer attraktiver werden?

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In der Grundschule ist die Mathematik fest verortet, die Mint-Fächer sind Teil des Heimat- und Sachunterrichts, von dem man oftmals gar nicht weiß, wie viel Naturwissenschaft und Technik eigentlich in ihm stecken. Vor allem weiß man nicht, auf wie viel professionellem Wissen die Lehrkräfte ihren Sachunterricht aufbauen und welche Anteile Physik, Chemie und Technik neben der Biologie und Staatsbürgerkunde haben. Auch kann man nur aus internationalen Studien wie TIMSS erahnen, wie hoch die Anteile der Kinder sind, die am Ende der 4. Klasse nicht die Ziele naturwissenschaftlicher Bildung in der Grundschule erreichen. Nun könnte man hoffen, dass mit dem Übertritt in die Sekundarstufe I und dem Fachlehrerprinzip alles besser wird. Und in der Tat deutet ja Pisa auf zufriedenstellende mathematisch-naturwissenschaftliche Leistungen der 15 Jahre alten Jugendlichen hin.

Vorbereitende Kurse sind unumgänglich

Die Frage, die sich in dieser Bildungsetappe und auch in der Sekundarstufe II stellt, ist die nach dem Technik- und Informatikunterricht. Vor allem der Informatikunterricht ist ein Desiderat in Zeiten der digitalen Transformation und des vor kurzem verabschiedeten Digitalpakts Schule. Wie will Schule den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen, ohne dass flächendeckend in der Sekundarstufe Informatik unterrichtet wird? Es bedarf der digitalen Alphabetisierung der Schüler im Informatikunterricht, ebenso wie die verkehrssprachliche Alphabetisierung im Deutschunterricht stattfinden muss und nicht fächerübergreifend gelöst werden kann. Natürlich wird es bei der Frage, welchen Fächern man Stunden zugunsten des Informatikunterrichts wegnimmt, ein Hauen und Stechen geben. Gleichzeitig haben Länder wie Bayern oder Sachsen es vorgemacht, wie man den Informatikunterricht in der Sekundarstufe I etablieren kann.

Die andere Frage, die beantwortet werden muss, ist die, woher die Informatik-Lehrkräfte kommen sollen. Hier sind die Länder und Universitäten gefordert, vermehrt Lehrstühle für die Lehramtsausbildung im Fach Informatik einzurichten. Universitäten müssen zudem an der Lösung des Problems Studienabbruch arbeiten. Die hohen Abbrüche in den Mint-Studiengängen sind nicht zuletzt Folge von Überforderung auf Seiten der Studienanfänger. Will man diese jungen Menschen im Studium halten, so sind in der Studieneingangsphase verpflichtende vorbereitende Kurse unumgänglich. Auf freiwillige Teilnahme bei solchen Angeboten zu setzen ist kontraproduktiv – es kommen freiwillig diejenigen, die es aufgrund ihrer Vorkenntnisse nicht benötigen, und es bleiben die fern, die es bitter nötig hätten.

Bleibt zum Schluss das Problem „Frauen und Mint“. Dazu hat es im Jahr 2018 eine bemerkenswerte Publikation in der amerikanischen Fachzeitschrift „Child Development“ gegeben. In der Arbeit wurde über einen Zeitraum von 50 Jahren ausgewertet, welche Bilder Kinder und Jugendliche kreieren, wenn sie gebeten werden, eine Naturwissenschaftlerin bzw. einen Naturwissenschaftler zu zeichnen (Draw a Scientist Test). Die Ergebnisse bestätigen das Stereotyp „weiß und männlich“. Alarmierend ist dabei, dass die Stereotypisierung im Laufe der Jugendzeit zunimmt. Während 5 bis 8 Jahre alte Kinder noch gleich häufig Männer und Frauen malen, sind es bei den 14 und 15 Jahre alten Jugendlichen nur noch 25 Prozent. Man muss sich an dieser Stelle berechtigterweise die Frage stellen, warum junge Frauen später ein Studium oder einen Beruf in einem Bereich wählen sollten, in dem das Rollenmodell weiß und männlich ist.

Der Autor leitet das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel.

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