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Hohe Abbruchrate : Wie können Mint-Fächer attraktiver werden?

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Fast ein Viertel der Viertklässler in Deutschland verfehlt die Mindeststandards der Kultusministerkonferenz (KMK) im Fach Mathematik und wird es schwer haben, erfolgreich die Sekundarstufe I zu durchlaufen. Im internationalen Vergleich sind 15 Jahre alte Jugendliche in Deutschland in den naturwissenschaftlichen Fächern eher unmotiviert. Informatik als Schulfach fristet in vielen Bundesländern ein Mauerblümchendasein, das Gleiche gilt für den Technikunterricht. In der gymnasialen Oberstufe boomt bei der Wahl der Leistungskurse die Biologie auf Kosten der Physik, Chemie und Informatik. Mädchen meiden in der Oberstufe nach wie vor die „harten Naturwissenschaften“ und Informatik.

Im dualen System steigen die Zahlen unbesetzter Ausbildungsplätze, weil sich zu wenig qualifizierte junge Leute auf diese Stellen bewerben. Nur 11 Prozent der Ausbildungsverträge im Mint-Bereich werden mit jungen Frauen abgeschlossen. Die Studienabbrüche in den Mint-Fächern liegen in den ersten drei Jahren bei 35 bis 40 Prozent. Der aktuell hohe Bedarf an Mint-Lehrkräften hat seit 2015 zu einem sehr starken Anstieg der Seiteneinsteiger in den Lehramtsberuf geführt.

Wie viel Naturwissenschaft ist nötig?

Diese Auflistung belegt, dass die Probleme im Vorschulbereich beginnen und sich dann in allen Bildungsetappen fortsetzen. Sieht man einmal davon ab, dass die Baustellen im Vorschulbereich erst in den letzten Jahren empirisch klar aufgedeckt wurden, so gilt für die übrigen Probleme, dass sie uns seit mehreren Dekaden begleiten und Generationen von Wissenschaftlern und Praktikern damit beschäftigt waren und sind, hier Abhilfe zu schaffen. Geschlechtergetrennter Unterricht, Unterricht von den Interessen der Mädchen denken, mehr außerschulische Mint-Aktivitäten, mehr Kooperationen zwischen Wissenschaft und Schule – all dies wurde im Bildungssystem auf den Weg gebracht, all dies hat aber scheinbar nicht gefruchtet. Vermutlich war es auch falsch, allein in der Schule den Schuldigen für die Mint-Misere zu suchen.

Schließlich gibt es andere Verdächtige wie die Elternhäuser, die Bildungspolitik, überkommene gesellschaftliche Bilder über frühkindliche Bildung und Stereotype in den Köpfen vieler. Fangen wir in der frühkindlichen Bildung an: Viel zu lange sah man in der Kita nur eine Betreuungs- und Erziehungs-, nicht aber eine Bildungsstätte. Überkommene Vorstellungen über die Entwicklung im Vorschulalter hinderten Generationen von Erzieherinnen, Kinder systematisch in spielerischen Kontexten sprachlich, mathematisch und naturwissenschaftlich zu fördern. Zum Glück sind die Vorstellungen teilweise überwunden, die Initiative „Haus der kleinen Forscher“, die sich die Mint-Förderung im Vorschulalter auf die Fahnen geschrieben hat, erreicht mittlerweile über 25.000 Einrichtungen in Deutschland. Politisch ist es auch Konsens, dass die Kita einen Bildungsauftrag hat. Kluge Kita-Programme, vor allem zur Förderung benachteiligter Kinder, sind aber immer noch Mangelware.

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