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Kognitionsforschung : Schlau wie Schleimpilz

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Reizempfindlich, konfliktfähig, geländegängig: Die „Basale Kognition“ zollt Pilzen großen Respekt. Bild: Picture-Alliance

Das neue Forschungsfeld „Basale Kognition“ sucht nach den Ursprüngen der Intelligenz auf molekularer Ebene. Was sagt uns das über höhere geistige Formen?

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          Wie klug sind eigentlich Obst und Gemüse? Als die Biologen Francisco Varela und Humberto Maturana zu Beginn der 1980er Jahre behaupteten, jede Lebensform habe kognitive Fähigkeiten, war die Empörung erst einmal groß. Eine absurde Ausweitung des Intelligenzbegriffs sei dies, wurde ihnen vorgehalten, die nur dazu führe, dass man diesen gar nicht mehr gebrauchen könne. Inzwischen ist die Kognitionswissenschaft, das weniger bekannte Geschwister der Künstliche-Intelligenz-Forschung, bald siebzig Jahre alt und ihr zentraler Begriff noch immer nicht geklärt. Ein neues Forschungsfeld, „basal cognition“ genannt, könnte dem nun abhelfen. Seine Vertreter haben sich auf die Fahnen geschrieben, mit dem evolutionären Blick auf die Kognition endlich Ernst zu machen. Sie tragen immer mehr Belege zusammen, dass auch für die Intelligenz Darwins Einsicht gilt: Die Lebewesen unterscheiden sich graduell, nicht grundsätzlich.

          Was ist eigentlich Kognition? „Erst dachte man, man könne die Frage offenlassen, bis man die Daten hat, jetzt hat man bergeweise Daten und noch immer keine Idee, wie man Sinn daraus machen soll“, bemerkte die Kognitionsforscherin und Mitbegründerin des neuen Feldes, Pamela Lyons, schon 2006 („The biogenic approach to cognition“, Cogn Process, 7, 11–29). Vergangenes Jahr legte sie nach: Es sei skandalös, wie unklar der Begriff noch immer sei, nachdem man so viel Geld in dieses Feld gesteckt habe („Of what is ,minimal cognition‘ the half baked version?“, Adaptive Behavior, Sept. 2019).

          Mitschuld an diesem Zustand hat die Künstliche-Intelligenz-Forschung. Sie setzte in den 1950er Jahren hemdsärmelig beim Menschen und seinen abstraktesten Fähigkeiten an. Man beobachtete, wie Experten Entscheidungen treffen, nach welchen Regeln Rechnen und Schachspielen funktionieren, und versuchte, dies nachzubauen. So entstanden zwar Expertensysteme und Schachcomputer, aber keine intelligenten Maschinen. Ende der 1980er mischte dann der Roboterforscher Rodney Brooks die Szene mit der These auf, zur Intelligenz gehöre ein Körper, der erst einmal am Leben erhalten und gesteuert werden müsse. Später, Intelligenz wurde längst als eine Anpassungsleistung unter anderen verstanden, wurde deutlich, dass auch die Umwelt und die Mitmenschen eine Rolle spielen. Die „verkörperte Intelligenz“ wurde aus der Taufe gehoben, die „prärationale“, die „eingebettete“, die „soziale Intelligenz“, auch von „minimaler“, „prä“- oder „proto“-Intelligenz war die Rede. Mehr Durcheinander geht kaum.

          Von den Anführungszeichen wollten sie sich nicht trennen

          Die Neurowissenschaften setzen auf der Suche nach kognitiven Fähigkeiten naturgemäß bei Wesen mit Nervensystemen an, gerne bei den eher übersichtlichen wie dem Fadenwurm C. elegans oder Aplysia, dem Seehasen mit den Riesenneuronen. „Basal cognition“ widmet sich nun dem, was, evolutionär gesehen, davor kommt: Einzellern mit und ohne Zellkern, Pilzen, Tieren ohne Nervensystem und hier und da auch den Pflanzen. Denn das Aufkommen von Nervensystemen sei keineswegs ein „kognitiver Rubikon“, die Nervensysteme hätten sich aus viel älteren, molekularen Signalwegen entwickelt, die Prinzipien neuronaler Netze wie Erregbarkeit und Plastizität seien in vielen Zelltypen nachweisbar (František Baluška, Michael Levin, „On having no Head“, Front Psychol. 7, 2016).

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