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Ende eines Pandemiesemesters : Was Corona vom Uni-Leben übrig ließ

  • -Aktualisiert am

Mein Computer und ich: Die Studentin Aissata Kaloga sitzt an einem Baum vor dem Gebäude Interdisziplinäres Kolleg Hochschuldidaktik und lernt. Bild: Michael Braunschädel

Das Virus ist kein Studienanfänger mehr: An den Unis geht das dritte Pandemiesemester zuende. Studenten zweier Frankfurter Hochschulen sagen, was sie vermissen.

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          Campus Westend, das IG-Farben-Haus: Nur wenige Studenten sitzen auf den Treppen, die hinauf zur geisteswissenschaftlichen Bibliothek führen. Eine Gruppe von Achtklässlerinnen isst Pizza, verschwindet wieder. Von außen sieht die Uni aus wie meistens in den vergangenen anderthalb Jahren: leer und unbelebt. Vor der mittleren von drei Flügeltüren, die hinein ins IG-Farben-Haus führt, steht eine Werbetafel aus der kurzen Präsenzphase im Wintersemester vergangenen Jahres. Sie wirbt für die Grippeschutzimpfung. Die Termine, die sie den Studenten vorschlägt, liegen im Oktober und November 2020, noch vor Beginn des schier endlosen Winter-Lockdowns.

          Aus der Flügeltür links daneben tritt Jannis Heil. Er trägt ein weißes T-Shirt, eine hellblaue Hose, das Band des Brustbeutels ist in diagonaler Linie von der Schulter zur Hüfte gelegt. Der Sechsundzwanzigjährige studiert „Science and Technology“ im zweiten Mastersemester am Fachbereich Soziologie der Goethe-Uni. Gerade bereitet er eine Hausarbeit vor und war dafür in der Bibliothek. In der Arbeit will er sich mit der algorithmisch überwachten Arbeitswelt beschäftigen, am Beispiel des Lieferdienstes Gorillas.

          Sehnsucht nach dem Smalltalk im Seminarraum

          Doch auch über die digitalen Seminare der vergangenen Semester hat er sich Gedanken gemacht. Ihm fehle die Atmosphäre, die nur in einem Seminarraum entstehen könne. Der informelle Austausch vor und nach dem offiziellen Seminar, in dem man sich wirklich kennenlernt. Vor und hinter den Bildschirmen sei das Seminargespräch zu sehr auf die pragmatische Information beschränkt, um darin interessante Gedanken entwickeln zu können. „Man diskutiert, aber man weiß nicht, wie die Leute ticken.“ Dabei bringen Studenten gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern auch immer eigene Erfahrungen und Ansichten ein. Es ist also relevant zu wissen, „wie jemand tickt“. Aber wann Seminare wieder in Präsenz stattfinden, weiß Jannis Heil noch nicht.

          Obwohl Regen angekündigt war, scheint noch die Sonne. Doch auch sie hat nur wenige Studenten auf dem Campus gelockt. Von den Fahrradständern neben der Bibliothek ist nur etwa ein Zwanzigstel an diesem Nachmittag Mitte Juli belegt. Dabei sieht das Leben im restlichen Frankfurt zu großen Teilen schon wieder aus wie vor der Pandemie. Und noch in Erinnerung sind die Fernsehbilder der Fußball-Europameisterschaft mitsamt voll besetzten Stadien. Auf dem Campus der Goethe-Uni dagegen freuen sich die Studenten darüber, dass wenigstens die Mensa wieder offen hat. Um einen der Tische im dortigen Außenbereich sitzen Marvin Jansen, Diana Solaimankhel und Morsal Farhead.

          „Man lernt alleine nicht so diszipliniert“

          Bei allen dreien hat sich das Studium durch Corona verzögert. Solaimankhel und Farhead studieren Pharmazie, ein Fach, in dem sie viel auswendig lernen müssen. „Aber man lernt alleine nicht so diszipliniert“, sagt Solaimankhel. Es fehle der positive Gruppenzwang, der unter Studenten entstehe, die gemeinsam die gleichen Klausuren schreiben müssten. In den vergangenen 16 Monaten musste jeder sich die ganze Zeit selbst motivieren. Das sei mal besser, mal schlechter gelungen – meistens schlechter, sagt sie. Farhead erzählt, sie habe von eigentlich vier Klausuren zwei abgesagt. Ihr fehle zurzeit die Energie, alle durchzuziehen. Und die Laborpraktika, für Pharmaziestudenten so wichtig wie das Seminargespräch für Geisteswissenschaftler, hätten zwar in Präsenz stattgefunden, aber in deutlich reduziertem Umfang.

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